500 Jahre Reformation Ins Lutherland: Eine Reise für Bauch und Geist

Die Lutherstätte wollen nicht nur Bildungstouristen am Reformationsjubiläum. Deshalb sollen «Lutherbrodt» und Nougat im Tintenfass die breiten Massen auf den Geschmack bringen.

Stadtrat Bernhard Neumann begrüsst die Besucher vor der Schlosskirche in Wittenberg im Martin-Luther-Kostüm.

Bildlegende: Stadtrat Bernhard Neumann begrüsst die Besucher vor der Schlosskirche in Wittenberg im Martin-Luther-Kostüm. Getty Images

Die Luther-Stätten in Thüringen und Sachsen-Anhalt sind bereit für das grosse Reformationsjubiläum. Gegen 200 Millionen Euro wurden investiert, um Burgen, Kirchen und Museen aufzuhübschen.

Ein Bild des Luther-Nougatglases.

Bildlegende: Im alt eingesessenen Schmalkalden im Süden von Thüringen wird das Luther-Nougat hergestellt. SRF

Die neuen Ausstellungen in den Lutherhäusern von Eisenach und Wittenberg sind nun multimedial und barrierefrei. Aber nicht nur Bildungsbürger soll das locken. Luther-Bier, Luther-Schnaps und Nougat im «Tintenfass» möchten auch breitere Massen auf den Geschmack bringen. Fünf Tipps für Bauch und Geist:

1. Luthers süsses Tintenfass

Mit einem Tintenfass soll Martin Luther den Teufel erschlagen haben. Der Tintenfleck in Luthers Stube auf der Wartburg wurde rasch zum Mythos. Gierige Luthertouristen kratzten sich schon im 19. Jahrhundert Stücke vom angeblichen Tintenfleck aus der Wand. Die Museumshüter malten den Fleck dann jeweils nach. Das brachte die Thüringer Firma Viba, die grösste Nougatfabrik Deutschlands, auf die Idee, ein Tintenfass mit Nougatcreme zu füllen.

2. Wittenberg hiess im 16. Jahrhundert «das protestantische Rom»

Ein Brot einer Packung "Lutherbrodt"

Bildlegende: Martin Luther hätte seine Freude: Das «Lutherbrodt» wird nach alter Rezeptur aus der Zeit des Reformators gebacken. SRF

Wittenberg war damals klein und ist es heute: sehr übersichtlich. Trotzdem lohnt sich eine Stadtführung. Für das Reformationsjubiläum wurden gerade 50 neue «Gästeführer» ausgebildet. Unterschiedlichste Touren sollen den Zielgruppen gerecht werden: von der Konfirmandenschar bis hin zu Gourmet-Touristen.

3. Traditionelles «Lutherbrodt»

An den Keksen der Firma mit dem typisch ostdeutschen Namen «Wikana» kommt man in Wittenberg kaum vorbei. Ihr Ihr äusserst süsses «Lutherbrodt» gab es schon zu knappen DDR-Zeiten. Die Hauptzutaten Nüsse, Honig und Mandeln sollen an mittelalterliche Geschmackswelten erinnern.

4. Ausstellung zur Bibel

Bis heute weiss man zwar nicht, ob der Schüler Martin Luther wirklich in diesem Haus gewohnt hat. Ein Besuch im neu gestalteten Lutherhaus in Eisenach lohnt sich aber trotzdem: Hier geht es um die Bibel. Klug und interaktiv erzählt das Haus von der Brisanz des Bibelübersetzens. Die dunklen Seiten des Eisenacher Luthertums werden dabei ebenfalls thematisiert. 2019 kommt eine Ausstellung über das „Eisenacher Entjudungsinstitut“: Nazitheologen hatten die Bibel „entjuden“ wollen. Da blieb von der Bibel nur ein schmales Bändchen übrig.

5. So kommt man ganz schön rum

In der Region Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es für Reformationsinteressierte viel zu entdecken. Ein UNESCO-Denkmal reiht sich hier ans Nächste. Was sich lohnt, erklärt Historiker Jochen Birkenmeier in seinem aktuellen Reiseführer. Der Autor hat sich mit der Neugestaltung von Luthers Sterbehaus in Eisleben einen Namen gemacht. Nun leitet er das Lutherhaus in Eisenach.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Blickpunkt Religion, 19.2.2017, 8:08 Uhr.

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