Trend zur Selbstheirat Ja, ich will! Ich will mich!

Immer mehr Menschen heiraten in einer Zeremonie sich selbst – mit Brautkleid und Ring, Gästen und Gelübde. Das Ritual der Selbstheirat kannten schon die Hippies.

Eine Frau mit Blumen im Haar blickt in den Spiegel.

Bildlegende: Die trauen sich ganz schön was: Vor allem junge Frauen heiraten sich selbst. Flickr/Khanh Hmoog

«Ich gelobe, mein selbstbestimmtes Leben zu geniessen und mich auf eine lebenslange Beziehung mit meinem wunderschönen Selbst einzulassen.» Mit diesen Worten heiratete Nadine Schweigert sich selbst.

Schweigert gehört zu einer Gruppe junger US-Amerikanerinnen, die im Alleingang in den Hafen der Ehe steuern. Meist sind es Frauen in ihren Dreissigern, die sich in einer Zeremonie das Ja-Wort geben. Statt Monogamie feiern sie «Sologamie».


Selbstheirat

2:41 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 03.08.2017

Fast wie die Hippies

Bereits in den Hippie-Kommunen der 1970er-Jahre gab es das Ritual der Selbstheirat. Allerdings ohne Gäste, Schleier oder Kirche.

1993 heiratete sich Linda Baker, die erste Amerikanerin, mit allem Drum und Dran: mit Brautkleid und Ring, Gästen und Gelübde, Junggesellinnenabschied und Ja-Wort.

Sie sei es satt, auf die schicksalshaften Ereignisse zu warten, die mit dem Schlemmen des Hochzeitskuchen enden, sagte sie in einem Interview.

Gurus der Selbstliebe

In den letzten Jahren tun es immer mehr junge Frauen ihr gleich. Die Selbstheirat ist nicht mehr nur den Fans von «Sex and the City» ein Begriff.

Eine britische Fotografin gab sich vor drei Jahren medienwirksam das Ja-Wort – und verdient seither ihr Geld als Guru der Selbstliebe. Bei einer Hochzeit im Silicon Valley schworen 120 Gäste sich selbst die ewige Treue.

Das Model Adriana Lima posiert auf Instagram mit dem Ring, den sie sich selbst ansteckte. Ein solcher gehört auch zum Set eines amerikanischen Start-Ups: Für rund 230 Franken verkauft es Selbstheirat als Schnäppchen.

Sarah Jessica Parker in Sex and the City.

Bildlegende: Carrie Bradshaw tat's bereits Ende der 1990er-Jahre. MMIX New Line Productions, Inc.

Der amerikanische Traum

Einen Tag ins weisse Kleid zu schlüpfen: Auch alleinstehende Japanerinnen erfüllen sich diesen amerikanischen Traum. Für 2500 Franken veranstaltet eine Agentur in Kyoto eine zweitägige «Solo-Hochzeit». Für das Fotoshooting gibt’s auf Wunsch einen Schauspieler dazu.

Weder in den USA noch Japan kennt das Gesetz eine Ehe mit sich selbst. Sie einzugehen, ist eine symbolische Tat. Der Höhepunkt der Zeremonie: ein Kuss des eigenen Bildes im Spiegel.

«Sonderbar allein»

Man kann sich an eine tragische Figur erinnert fühlen. Doch von Narzissmus wollen die Verfechterinnen der Sologamie nichts wissen: «Quirkyalone», zu Deutsch ungefähr «sonderbar allein», nennen sich junge Amerikanerinnen selbstironisch, die ihre Selbstliebe mit einem Hochzeitsfest besiegeln.

Ihr Stück vom Kuchen, eine Rebellion gegen das Ideal trauter Zweisamkeit – dekoriert mit einem Zuckerguss aus Hollywood-Romantik.

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