Handwerker machen Kunst Die Handwerker hinter grossen Kunstwerken

An der Art Basel sind einmal mehr spektakuläre Werke zu sehen. Doch nicht alle Kunstschaffenden realisieren diese selbst – sie lassen ihre Entwürfe von Fachleuten umsetzen.

Giesserinnen und Giesser giessen.

Bildlegende: Die Giesserei ist das Kerngeschäft des Münchensteiner Kunstbetriebs. Kunstbetrieb

Der Kunstgiesser Ivan Antunović steht an einer Werkbank. In einer grossen Halle auf dem Areal eines ehemaligen Walzwerkes bearbeitet er mit einem Fräser ein Aluminium-Relief, das er vorher hier im Kunstbetrieb in Münchenstein nahe Basel gegossen hat. «Fast wie beim Zahnarzt», lacht er.

Nebenan steht der Metallbauer Roland Ramseier an der Bohrmaschine. Auf die Frage, ob er gerne hier arbeite, kommt die Antwort prompt: «Sehr gerne! Das ist mein Traumberuf: vielseitig, ein junges Team und grosse Verantwortung. Ich bin dabei, mit vollem Herzen.»

Schweissarbeiten an einer grossen Hand-Skulptur.

Bildlegende: Vorbereitung für die Herstellung eines Negativs. SEBASTIAN STALDER

Metallbauer und Zahntechniker

17 Mitarbeitende sind im Kunstbetrieb angestellt. Sie haben die unterschiedlichsten Berufe: Nebst Metallbauern und Giessern sind es zum Beispiel Schreiner, eine Restauratorin, eine Goldschmiedin, sogar ein gelernter Zahntechniker. «Das ist wichtig: So kommen die verschiedensten Fertigkeiten und Kompetenzen zusammen», sagt Lea Whinyates. Sie ist hier für Künstlerkontake, Administration und Kommunikation zuständig.

Der Kunstbetrieb in Münchenstein ist kurz gesagt ein technischer Dienstleister. Kunstschaffende bringen ihre Skizzen, Modelle und Konzepte – und die Firma setzt diese um. Das Kerngeschäft ist die Giesserei. Doch sind zum Beispiel auch grosse Plastiken aus Stahlblech möglich. Oder lebensechte Figuren aus Kunstharz oder Wachs.

Mann arbeitet an einer Skulptur.

Bildlegende: Ein Mitarbeiter retuschiert ein Wachspositiv. SEBASTIAN STALDER

Experimentieren gehört dazu

Lange nicht jedes Vorgehen ist von vornherein klar. Oft wollen Künstler Materialien verwenden, mit denen auch hier im Kunstbetrieb noch niemand viel Erfahrung hat.

Aktuelles Beispiel: Eine Künstlerin will mit gefärbtem Speisesalz arbeiten. Das muss zuerst getestet werden, erklärt Lea Whinyates: «Wie erreichen wir die richtige Farbe, wie verhält sich diese mit dem Salz, wie viel Farbe nimmt das Salz auf – das Experimentieren ist auch ein wichtiger Teil unserer Arbeit.»

Firma ohne Chef

Der Kunstbetrieb besteht seit gut zehn Jahren. In dieser Zeit hat er mehrere 100 Projekte umgesetzt – kleine und grosse, oft für die Top-Liga des internationalen Kunstmarktes.

Das wohl spektakulärste war jenes für den vietnamesisch-dänischen Künstler Danh Vo: eine Kopie der New Yorker Freiheitsstatue – aus Kupferblech, in Originalgrösse. Als Einzelteile, nicht zum Zusammensetzen gedacht.

Teile aus Kupferblech.

Bildlegende: Der Künstler Danh Vo liess im Kunstbetrieb teile der Freiheitsstatue aus Kupferblech kopieren. Kunstbetrieb

Diese Firma ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Eigentlich eine übliche Aktiengesellschaft – aber eine ohne Chef. Alle hier seien so motiviert und eifrig bei der Sache, da brauche es keinen Chef, so die einhellige Erklärung. Wichtige Entscheide werden demokratisch gefällt. Und: Die Aktionäre arbeiten alle selbst im Betrieb mit.

Lebensgrosser Torso in Bronze

Heute ist der junge Genfer Künstler Marc Bauer im Kunstbetrieb zu Besuch. Er hat einen fast lebensgrossen Torso in Bronze giessen lassen. «Ich bin sehr zufrieden», sagt er. «Es ist das erste Mal, dass ich ihn fertig sehe. Jetzt fehlt nur noch die Patinierung, aber es ist wirklich gut geworden.»

Um die Patinierung wird sich bald jemand kümmern. Ebenso um all die anderen grossen und kleinen Projekte hier im Kunstbetrieb. Dafür wird weiter geplant, getüftelt, gegossen, geschweisst und gefräst.

Überlebensgrosse Robbe aus Bronze hängt in Halle.

Bildlegende: Eine Bronzeskulptur wird patiniert. Kunstbetrieb

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 15.06.2017, 07.20 Uhr

Art Basel

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Andriu Deplazes