Geplatzte Zusammenarbeit Afrikanische Musik ist mehr als nur Trommeln

Der US-amerikanische Sänger Usher arbeitet nicht mit einem südafrikanischen DJ zusammen, weil ihm dessen Musik «nicht afrikanisch genug» sei. Im Netz regt sich Widerspruch.

Ein Porträt von Usher. Er winkt und trägt eine schwarze Sonnenbrille.

Bildlegende: Noch hat er sich nicht geäussert: Usher bleibt verhalten in der Debatte um #NotAfricanEnough. Getty Images

  • Der US-amerikanische Sänger Usher wollte mit dem südafrikanischen DJ Black Coffee zusammenarbeiten. Die Kollaboration kam aber nicht zustande, weil Usher dessen Musik «nicht afrikanisch genug» fand.
  • Daraufhin entstand im Netz eine Debatte um Ushers Begründung und darüber, was als afrikanische Musik gelten soll.
  • Afrikanische Musik, die europäische Labels präsentieren, ist nicht unbedingt die Musik, die in Afrika selbst populär ist.

In vielen westlichen Köpfen heisst afrikanische Musik: archaische Trommeln und Stammesgesänge. Gerade eben ist dieses Bild Gegenstand von Diskussionen im Netz, auf den Tisch gebracht vom südafrikanischen DJ Black Coffee. Gegenüber einer südafrikanischen Radiostation erzählte er von einem Vorfall, der sich kürzlich ereignet hatte.

Zu modern, zu wenig afrikanisch

Der Manager des US-amerikanischen R&B-Sängers Usher sagt, Usher sei an einer Zusammenarbeit interessiert. Black Coffee ist begeistert und schickt einen seiner House-Tracks an den Superstar. Der afroamerikanische Sänger meldete sich mit einer Absage: «Es ist zu modern», er suche etwas «Afrikanischeres».

Black Coffee ist konsterniert: «Ich weiss nicht, was Afrika für Usher ist – jedenfalls ist Afrika für mich etwas anderes. Wir sind nicht im Dschungel.» Er fügt an, dass für viele Menschen Bongos typisch afrikanisch seien, nicht aber für ihn.

Reaktionen im Netz

Usher hat dazu noch keine Stellung genommen. Zahlreiche afrikanische Internet-User hingegen schon – in Kommentarspalten von afrikanischen Online-Magazinen oder auf Websites über afrikanische Musik aus dem Westen.

Die User zeigen sich gespalten. «Ich stimme Usher zu, weil einige Afrikaner sehr stark versuchen, die amerikanische Musik zu kopieren und das klingt nicht natürlich», schreibt jemand auf okayafrica.com. Ein anderer zieht einen kulinarischen Vergleich: «Ein Cheeseburger mit Brötchen, die in Nigeria gebacken und Fleisch von einer Kuh, die in Mali geschlachtet wurde, ist noch kein afrikanisches Essen.»

Die Usher-Kritiker entgegnen: «Black Coffees Musik ist unsere Kultur, seine Musik reflektiert seine Zeit und sein Umfeld. Afrika ist mehr als Gesichtsbemalung und Trommeln.» Oder etwa: «Das zeigt wie wenig er (Usher) über afrikanische Musik weiss. Amerikanische Musik entwickelt sich, warum soll es die afrikanische nicht tun?!»

Zeitgenössische Klänge

Dass das Bild traditioneller, afrikanischer Musik noch in vielen europäischen Köpfen stark verankert ist, hat auch damit zu tun, dass Musik aus Afrika, die bei uns ankommt, vor allem so genannte «Weltmusik» ist.

Das heisst: Europäische Labels nehmen afrikanische Künstler unter Vertrag und produzieren mit ihnen ein Album für den europäischen Markt.

Europa und Afrika: zwei verschiedene Musikmärkte

Ein Beispiel dafür ist der Ghanaer King Ayisoba. Ende März hat er auf dem deutschen Weltmusik-Label «Glitterbeat» das Album «1000 Can Die» veröffentlicht, pulsierende traditionelle Kologo-Musik, angereichert mit Elektronik oder Rap.

Grosse Wellen schlägt das Album in zuhause Ghana nicht, obwohl King Ayisoba zweimal den Ghana Music Award gewonnen. Das ist aber zehn Jahre her.

In Ghana etwa ist momentan der Rapper EL populär. Er ist aktueller Preisträger des Ghana Music Awards. Von ihm hört man in Europa und in den USA kaum etwas.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Jazz und World aktuell, 18.4.2017, 20.00 Uhr

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