Ex-Beatle auf Erfolgskurs Die zweite Karriere von Paul McCartney

Mit 28 ein Ex-Beatle, mit 75 immer noch erfolgreich: Paul McCartney reitet auf einer musikalischen Erfolgswelle.

Ex-Beatle Paul McCartney steht mit einem Lachen auf der Bühne.

Bildlegende: Auch ein Ex-Beatle darf sich weiterentwickeln: Paul McCartney tut es. Keystone

Paul McCartney war 15, als er John Lennon traf – was aus dem Gespann Lennon/McCartney wurde, ist bekannt: die Beatles. Eine Band mit unglaublichem Output an unsterblicher Musik. Und das in kurzer Zeit. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band zum Beispiel: vom Cover über die Songs bis zu den Verkaufszahlen das perfekte Album, die Erfüllung des Rock-Star-Traums.

Die Beatles in schwarzen Anzügen.

Bildlegende: Die Beatles im Buckingham Palace: George Harrison, Paul McCartney, John Lennon and Ringo Starr (v.l.). Keystone

Am 18. Juni wird Paul McCartney 75 – und macht nach wie vor erfolgreich Musik. Auch 47 Jahre nach den Beatles. Klar, sagen jetzt eingefleischte Beatles-Fans, aber damit hat er doch nie im Leben an die Beatles anknüpfen können.

Sie haben Recht. An die Beatles kommt keine Band heran. Nur: An sie muss auch niemand herankommen, es gibt sie ja schon. Auch ein Ex-Beatle darf sich weiterentwickeln und neue Musik machen.

McCartneys Band wird lange kritisiert

Paul McCartney verliert keine Zeit: Seine zweite Karriere beginnt schon in der Schlussphase der Beatles und unmittelbar danach, mit einer Reihe von Solo-Alben – und ab 1971 dann mit der neuen Band Wings.

Paul McCartney gründet Wings zusammen mit seiner Frau Linda. Doch die Band wird lange kritisiert: McCartney ohne Lennon – das sind andere Songs, versteht sich. Und Linda McCartney war in erster Linie eine (sehr gute) Fotografin, keine Musikerin. Da konnten die anderen Musiker (der Multiinstrumentalist Denny Laine oder der Gitarrist Henry McCullough) noch so gut sein. Auf Linda McCartney liess sich vorzüglich herumhacken.

Nächster Halt: Lagos

Aber Paul McCartney lässt sich nicht beirren und macht weiter. Im Juni 1973 gelingt der Band den Durchbruch mit dem Bond-Thema «Live and Let Die», das orchestrale Rock-Stück schafft es auf Platz zwei in den amerikanischen Charts (und auf Platz neun in England). Der Erfolg beflügelt Paul McCartney.

Auf der Suche nach einem speziellen Aufnahme-Ort für das nächste Wings-Album lässt er sich eine Liste der möglichen Aufnahmestudios schicken. Mit dabei: Lagos in Nigeria.

Zoff mit dem Gitarristen

Wie er ausgerechnet auf Lagos kommt, bleibt unklar. Neugierig war er ja schon immer, die afrikanischen Grooves haben ihn gereizt. Vom Ausbruch der dortigen Cholera-Epidemie hat er erst nach seiner Rückkehr erfahren.

Die Vorzeichen für das neue Album aber sind so oder so ungünstig: Kurz vor der Reise überwirft sich Paul McCartney mit seinem Gitarristen Henry McCullough und im letzten Moment springt auch der Schlagzeuger Denny Seiwell ab.

Alle seine Ideen für das neue Album hat McCartney auf Demo-Bändern mit dabei, die ihm bei einem Raubüberfall prompt gestohlen werden. Schliesslich steht er ohne Bänder und nur mit einer Rumpf-Besetzung der Wings im Studio.

Auf den Spuren des Beatles-Erfolg

Die Widerwärtigkeiten aber scheinen die Band zusammenzuschweissen: In drei Wochen entsteht in Lagos die Grundlage für das Album «Band on the Run» – und damit das erste Album von Paul McCartney, mit dem er wieder an die Meisterwerke der Beatles anknüpft.

Wie der Ex-Beatle verschiedenste Stile antippt, von Jazz-Pop über Blues bis Rock, das ist Paul McCartney at his best. Von da an bewegt sich Macca, wie ihn seine Fans nennen, leichtfüssig in den verschiedensten musikalischen Gebieten. Meist mit Erfolg – bis heute.

Paul McCartneys Band «Wings»

In der 70er-Jahren ist «Wings» eine der erfolgreichsten Bands in den USA. In den 80er-Jahren sind es Duette mit Stevie Wonder und Michael Jackson, die in Erinnerung bleiben. Vor wenigen Jahren sind es Jazz-Standards und eine Zusammenarbeit mit dem Rapper Kanye West, die McCartney nach wie vor als musikalischen Wunderfitz qualifizieren.

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