Erforschung des Alls China erobert das Weltall

Das Reich der Mitte baut eine eigene Weltraumstation. Nicht nur deshalb arbeitet die Europäische Raumfahrtbehörde immer intensiver mit China zusammen.

Liu Yang im Astronautenanzug winkt der jubelnden Menge zu.

Bildlegende: Die erste chinesische Astronautin, Liu Yang, vor dem Start auf eine Mission im Jahr 2012. Reuters

Das Wichtigste in Kürze

  • China stieg erst spät in die Weltraumforschung ein, erzielte jedoch innert weniger Jahren enorme Fortschritte. Heute ist es eine führende Macht in der Raumfahrt.
  • Die Zusammenarbeit mit China wird angesichts der internationalen Sparmassnahmen in diesem Bereich für die Europäische Raumfahrtbehörde ESA immer attraktiver.
  • Das Erstarken der chinesischen Raumfahrt verstärkt die politischen Spannungen zwischen den beiden Grossmächten China und USA.

Erst 2003 schoss China seinen ersten Taikonauten in den Weltraum – so heissen die Astronauten im Reich der Mitte. Nach diesem späten Start aber hat China mächtig aufgeholt.

Die Chinesen haben verschiedene eigene Trägerraketen entwickelt. 2013 haben sie ein Forschungsmobil auf dem Mond gelandet. Sie bauen auch an einer eigenen Raumstation.

Zukunft der ISS in den Sternen

Zwar gab es auch Rückschläge wie den Absturz einer chinesischen Schwerlastrakete Anfang Juli. Doch von solchen Unfällen blieben auch die Amerikaner, die Russen und die Europäer nicht verschont.

Auch wie es mit deren gemeinsam betriebenen internationalen Raumfahrtstation ISS nach 2024 weitergehen soll, ist unklar. Es ist durchaus möglich, dass die Chinesen bald die einzigen mit einem permanenten Aussenposten im All sind.

Astronauten lernen Chinesisch

Bei der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA setzt man deshalb auf Zusammenarbeit. Die europäischen Astronauten lernen Chinesisch, und es gibt gemeinsame Ausbildungen.

Die italienische ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti zum Beispiel fliegt diesen Sommer nach Peking und absolviert dort gemeinsam mit chinesischen Taikonauten ein Überlebenstraining. Geübt wird eine Notlandung im Meer bei starkem Wellengang.

Samantha Cristoforetti telefoniert im Astronautenanzug

Bildlegende: Die italienische ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti nach der Rückkehr von der International Space Station, 2015. Keystone

Während die ESA und die NASA also sparen, investieren die Chinesen immer mehr Geld in die Raumfahrt. Cristoforetti hofft deshalb, dass europäische Astronauten bald auch auf die chinesische Raumstation mitfliegen können: «Wenn sich die Chinesen ein Ziel gesetzt haben, dann haben sie auch die Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Für uns ist es natürlich spannend, so einen Partner zu haben.»

Amerika hält China auf Distanz

Ganz anders ist die Haltung der Amerikaner. Der US-Kongress hat jegliche Zusammenarbeit mit China in der Raumfahrt untersagt. Grund dafür ist der Machtkonflikt zwischen den beiden Grossmächten. Denn bei der Raumfahrt stehen nicht die wissenschaftlichen Fragen im Vordergrund, sondern militärische Aspekte.

2007 holte China zu einem Paukenschlag aus: Es schoss vom Boden aus einen eigenen Wettersatelliten ab und zeigte damit, wie verwundbar die Satellitentechnik ist.

Ein Ausfall der Telekommunikation, der Positions- und Navigationsdaten hätte nicht nur für den Alltag auf der Erde verheerende Auswirkungen. Auch die militärischen Systeme wären kaum mehr zu gebrauchen.

Blinde Machtdemonstration

China versuchte zwar, den Abschuss zu vertuschen. Aber lange ging das nicht. Amerika reagierte geharnischt und schoss kurz darauf einen eigenen Satelliten ab.

Beide Abschüsse hatten verheerende Auswirkungen: Die Trümmerteile fliegen bis heute durch den Weltraum. Die Masse des Weltraumschrottes nahm dadurch stark zu, was das Risiko für die bemannte Raumfahrt zusätzlich erhöht.

Bei der ESA hält man nicht viel von solchen Machtdemonstrationen. Man sucht die Zusammenarbeit mit allen Seiten.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Wissenschaftsmagazin, 15.07.2017, 12.40 Uhr

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