Sonntagsstory Josef klar – gut Honigjahr. Eine Lese-Anleitung für Bauernregeln.

Manche Bauernregeln bestechen einzig durch den Reim. Andere haben durchaus prognostischen Mehrwert. Das Regelwerk insgesamt zeugt von der Sehnsucht unserer Vorfahren nach Struktur und Ordnung im chaotischen Wettergeschehen. Wer die Reime richtig liest, erfährt daher viel vom Lauf der Natur.

Das teils noch nasse Wetter an diesem Sonntag lässt Ungutes erahnen. Der Josefstag (19. März) gilt gemäss Bauernregel als wichtiger Los-Tag: Sein Wetter sagt aus, was die Bauern und Landwirte vom Rest des Jahres erwarten können.

Zahlreiche kleine Schnecken auf einem nassen Baumstrunk, umgeben von grünen Blättern.

Bildlegende: Regen tut der Natur gut. Die Regeln geben klare Vorgaben ans Wetter: «Wenn's an Vitus (15. Juni) regnet fein, soll das Jahr gar fruchtbar sein» Dorly Volken

Der Tenor all der für heute gültigen Regeln weist in dieselbe Richtung: «Ist es klar am Josefstag, spart er uns viel Not und Plag.» Der Umkehrschluss lässt keine Option offen: Heute klart es nur zögerlich auf, also muss das Jahr 2017 für die Landwirte problematisch werden.

Lostage-Regeln

Ein prognostischer Wert von solchen Regeln, die bezogen sind auf einen bestimmten Tag, ist nicht erkennbar. Das Wetter hält sich nicht an starre Vorgaben, die Atmosphäre hat kein Gedächtnis.

Im Übrigen gibt es rund 200 solche Lostage im Jahr, die hauptsächlich auf dem Heiligenkalender der katholischen Kirche beruhen. Träfe nur die Hälfe dieser Regeln zu, wäre das Wetter für einen Grossteil des Jahres vorhersehbar. Und das ist es offensichtlich nicht.

Die Lostage-Regeln machen nur einen Teil der Bauernregeln aus. Daneben gibt es noch weitere Arten von Regeln, wie beispielsweise die klassischen Wetterregeln, die sich auf Wolken, Wind oder Himmelsfärbungen beziehen. Manche Regel sagen auch einfach aus, was gut und wünschenswert wäre für die weitere Entwicklung der Vegetation und der landwirtschaftlichen Kulturen. Mit einer richtigen Zuordnung all dieser Regeln lassen sich wertvolle Informationen aus der Beziehung unserer Vorfahren zum Wetter ableiten.

Kalendergebundene Klimaregeln

«Wenn’s erst einmal Josefi ist, so endet auch der Winter gewiss

Aus solchen Regeln ist zu erfahren, wie das Wetter «üblicherweise» so spielt. Sie dokumentieren den durchschnittlichen Wetterablauf des Jahres (Klimatologie) und verknüpfen diese mit der aktuellen und künftigen Vegetationsentwicklung. Damit verbunden ist auch eine Erwartungshaltung an das Wetter.

Wenn - dann.

Mit einer klaren Wenn-Dann-Beziehung suggerieren die Bauernregeln meist einen direkten Kausalzusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Daher gilt es zwischen den Zeilen zu lesen. So ist nicht der Josefstag für das Ende des Winters verantwortlich. Vielmehr lässt die rasch höher steigende Sonne ab Mitte März den Winter langsam entschwinden. Unsere Vorfahren wussten aber aus der Erfahrung, dass es auch anders kommen mag. Daher widersprechen sich viele dieser Regeln – oder doppeln zu einem späteren Zeitpunkt sicherheitshalber nochmals nach: «Erst Mitte Mai – ist der Winter vorbei

Wetterregeln über Wind und Wolken

«Weht’s aus Ost bei Vollmondschein, dann stellt sich strenge Kälte ein

Diese «klassischen» Bauernregeln haben einen grossen prognostischen Wert. Sie basieren auf aktuellen Wetterbeobachtungen und auf Besonderheiten von Wind, Wolken, Nebel oder optischen Himmelserscheinungen (Regenbogen, Halo).

Untergehende Sonne hinter Schleierwolken

Bildlegende: «Wenn die Sonne scheint sehr bleich, ist die Luft an Regen reich» Nicht alle Schleierwolken künden schlechtes Wetter an. Daher gilt auch: In Menschen und Cirren kann man sich irren. SRF

Unsere Vorfahren haben aus der Erfahrung gelernt, dass solche Erscheinungen oftmals eine ganz spezielle Wetterentwicklung nach sich ziehen.

Auch bei diesen Regeln werden Beziehungen hergestellt, die mehr vermuten lassen, als sie hergeben.

Wenn im Winter der Ostwind bläst, dann bringt er gerne eisige Sibirienluft ins Land. Und da zusätzlich gilt: «Ist der Himmel voller Sterne, ist die Nacht voll Kälte gerne», sorgen klare Nächte in Kombination mit der Bise mitunter für die tiefsten Temperaturen des Winters. Vollmond hin oder her.

Ernteregeln

«Im Märzen kalt und Sonnenschein, wird’s eine gute Ernte sein».

In jeder Jahreszeit hat das Wetter grosse Bedeutung für die nachfolgende Entwicklung der Nutzpflanzen. Eine ertragsreiche Ernte setzt das ganze Jahr die richtige Witterung voraus. Im Frühjahr besteht Gefahr durch Frost und Eis, im Sommer durch Trockenheit, im Winter sollte die Saat ruhen können.

All diese Aspekte finden sich in den sogenannten Ernteregeln. Auch in diesen Regeln sind die Wenn-Dann-Beziehungen nicht wörtlich zu nehmen. Sie geben aber Hinweise darauf, wovor sich die Bauern am meisten fürchten oder welches Wetter für die Pflanzen zu welcher Jahreszeit von Vorteil ist: «Dezember kalt mit Schnee, gibt Korn in jeder Höh‘

Ihre Bauernregeln?

Reimende Bauernregeln gibt es nicht nur fürs Wetter. Senden Sie uns ihre lustigen, klugen, absurden und träfen Sprüche - zu welchem Thema auch immer - via srf.ch/meteo/kontakt-meteo. Die besten werden wir bei Gelegenheit an dieser Stelle veröffentlichen.

Quellen

  • Bauernregeln aus meteorologischer Sicht; Horst Malberg
  • Bauernregeln im Jahreslauf; Kurt Haberstich
  • wikipedia.org/wiki/Liste_von_Bauernregeln