Präsidentschaftswahlen im Iran Hassan Rohani – der Hoffnungsträger der Moderaten

Seit 2013 regiert Hassan Rohani im Gottesstaat. Nun kandidiert der Reformer erneut. Ein Porträt.

  • Am Freitag finden im Iran Präsidentschaftswahlen statt.
  • Rund 55 Millionen Wahlberechtigte können ihre Stimme abgeben.
  • Der bisherige reformorientierte Präsident Hassan Rohani kandidiert erneut.

Der 68-jährige Rohani hatte 2013 Mahmud Ahmadinedschad als Präsident abgelöst. Dieser hinterliess ihm ein wirtschaftlich ruiniertes und politisch isoliertes Land. Dem Reformer Rohani und seinem Aussenminister Mohammed Dschawad Zarif gelang mit dem Atomabkommen mit dem Westen ein grosser Erfolg. Die meisten Sanktionen wurden aufgehoben. Der Iran – ein wirtschaftlich interessanter Markt – begann sich wieder zu öffnen.

Skeptische Konservative

Doch Rohanis Kurs ist den Hardlinern nicht geheuer: Sie werfen ihm vor, keinen Nutzen für die Bevölkerung aus dem Abkommen zu ziehen. Er habe viel versprochen und nichts gehalten. So habe er zum Beispiel die grosse Arbeitslosigkeit nicht eingedämmt. Die Hardliner wollen die Wiederwahl Rohanis verhindern, da sie fürchten, er werde in seiner zweiten Amtszeit seine Politik der Öffnung fortsetzen.

Der Reformer-Präsident hat immer wieder betont, das Atomabkommen schaffe die Basis für innenpolitische Reformen. Auch heikle Themen wie Menschenrechte und Meinungsfreiheit erwähnte er in diesem Zusammenhang.

Rohani steht für Wandel

Rohani wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern unterstützt, die in ihm den Garanten eines langsamen Wandels im Iran sehen und auf mehr Freiheit hoffen. Hinter ihm steht auch der ehemalige Präsident Mohammad Khatami. Er hatte von 1997 bis 2005 die Reformpolitik begonnen, die Rohani nun fortsetzt. Khatami, der nicht im Staatsfernsehen auftreten darf, hat in den sozialen Medien zur Wiederwahl Rohanis aufgerufen.

Fünf Kandidaten im Rennen

Neben den beiden Favoriten Hassan Rohani und Ebrahim Raisi treten noch drei weitere Kandidaten zu den Präsidentschaftswahlen im Iran an:

Mostafa Agha Mirsalim: Der 1947 in Teheran geborene Professor an der Teheraner Amir-Kabir-Universität ist Kandidat des erzkonservativen Lagers. Zwischen 1994 und 1997 war er Kultusminister. Ihm werden bei der Wahl kaum Chancen eingeräumt.
Eshagh Dschahangiri: Der 1957 in Sirdschan im Südostiran geborene Politiker ist ein Reformer und seit August 2013 der Vize von Präsident Rohani. Viele Beobachter sehen ihn als Rohanis Nachfolger bei der übernächsten Präsidentenwahl im Jahr 2021.
Mostafa Hashemi-Taba: Der 1940 in Isfahan im Zentraliran geborene Reformer war schon unter Präsident Mohammad Khatami (1997-2005) als Vizepräsident im Amt. Er war lange Jahre Präsident des iranischen Olympiakomitees. Auch er zählt als Kandidat mit wenig Chancen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Iraner gehen in Massen an die Urnen

    Aus Tagesschau vom 19.5.2017

    Bei der Präsidentenwahl in Iran hat die Regierung die Öffnungszeit der Wahllokale um weitere zwei Stunden verlängert. Es sei dem Rohani-Lager gelungen, gemässigte Wählerschichten zu mobilisieren, sagt SRF-Korrespondent Pascal Weber.

  • Wahlkundgebung für den erzkonservativen Raisi in Teheran.

    Wahlen in Iran: Schliesst sich das Fenster zum Westen?

    Aus Echo der Zeit vom 17.5.2017

    Hassan Rohani will iranischer Präsident bleiben. Doch die Hardliner im Regime halten gar nichts von der Reformpolitik des moderaten Klerikers. Sie schicken den erzkonservativen Ebrahim Raisi ins Rennen - auch er ist ein Geistlicher. Aber von einem ganz anderen Schlag. Die Reportage aus Teheran.

    Iren Meier

  • Wahlveranstaltung von Rohani-Anhängern in Teheran.

    Präsidentenwahl Iran: Öffnung oder Abschottung?

    Aus Rendez-vous vom 16.5.2017

    Sechs Kandidaten traten ursprünglich zu den Präsidentschaftswahlen in Iran an. Nun sind es noch zwei am 19. Mai. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein: Der Kleriker und amtierende Präsident Hassan Rohani und der Hardliner Ebhrahin Raisi. Die Reportage aus Teheran.

    Iren Meier