Anschlag auf BVB-Bus «Widerwärtige Form von Habgier»

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière und die Behörden erklären Details zum Anschlag auf den BVB-Bus.

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De Maizière: «Der Verdacht ist gewaltig»

0:43 min, vom 21.4.2017

  • Die Bundesanwaltschaft geht nach dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund von einem Einzeltäter aus.
  • Der Verdächtige soll mit dem Angriff auf einen Kursverlust der BVB-Papiere gesetzt haben.
  • Gegen den festgenommenen 28-Jährigen ist Haftbefehl erlassen worden. Der Mann sei dringend tatverdächtig, teilte die Bundesanwaltschaft mit.
  • Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Die Spezialeinheit der Bundespolizei GSG9 hat am frühen Freitagmorgen einen 28-Jährigen Deutsch-Russen im Raum Tübingen festgenommen.

Er soll aus Habgier versucht haben, möglichst viele Spieler des Vereins zu verletzen oder gar zu töten, um die BVB-Aktie zum Absturz zu bringen, erklärte die Bundesanwaltschaft.

«Er erwarb drei verschiedene Derivate (u.a. sog. Put-Optionen, Anm. d. Red.), mit denen er auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie setzte. Je mehr die Aktien gesunken wären, desto grösser wäre sein Gewinn gewesen», sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die Derivate habe er am Tag des Anschlags erworben. Für den Erwerb habe er einen Kredit von mehreren zehntausend Euro aufgenommen.

Der Tatverdächtige hat seit Mitte 2016 als Elektriker in einem Tübinger Heizwerk gearbeitet. Das bestätigte unterdessen ein Sprecher des Energiekonzerns MVV in Mannheim.

«Intensive Beobachtung» des Verdächtigen

Gegen den 28-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen. Der Mann sei dringend tatverdächtig, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen und Mittäter bei dem Anschlag gebe es bislang nicht, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die Behörde behalte diese Frage aber weiter im Blick.

Nach einem ersten Hinweis in der vergangenen Woche sei der Verdächtige intensiv beobachtet und ausgeleuchtet worden, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin.

«  Es ist eine besonders widerwärtige Form von Habgier und erfüllt voll den Mordparagraphen. »

Thomas de Maizière
Deutscher Innenminister

«Der Verdacht ist gewaltig», erklärte de Maizière weiter. «Es ist eine besonders widerwärtige Form von Habgier und erfüllt voll den Mordparagraphen», sagte er. Dass er sich dabei auch noch als Terrorist ausgegeben habe, sei besonders perfide.

Weitere Ermittlungen

Herkunft und Art des beim Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus verwendeten Sprengstoffs ist laut Bundesanwaltschaft noch nicht ermittelt. Da bei der Explosion der drei Sprengsätze vergangene Woche der gesamte Sprengstoff umgesetzt worden sei, seien die Untersuchungen «etwas komplexer und etwas aufwendiger», heisst es von Seiten der Behörde. Die Kriminaltechniker müssten zum Beispiel Bodenproben untersuchen.

So funktionieren Put-Optionen

Mit einer Put-Option kann ein Investor auf fallende Kurse spekulieren: Die Put-Option gibt ihm das Recht, zum Beispiel eine festgelegte Aktienmenge zu einem späteren Zeitpunkt zu verkaufen. Und dies zu einem Preis, den die Parteien vorher festgelegt haben. Wenn der Kurs des Wertpapiers also fällt bis zum Verkaufstermin, kassiert der Inhaber der Put-Option nicht den tiefen Marktpreis für seine Papiere, sondern er bekommt den vorher festgelegten, höheren Preis.

BVB-Aktie steigt

Die Aktie von Borussia Dortmund ist nach der Festnahme eines Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus gestiegen. Nach der Eröffnung kletterte das Wertpapier bis mittags von 5,46 Euro auf 5,58 Euro. Nach dem Anschlag am 11. April und dem Aus in der Champions League war die Aktie bis Donnerstag auf 5,36 Euro gesunken.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • BVB-Täter hat aus Habgier agiert

    Aus Tagesschau vom 21.4.2017

    Der Täter, der den Anschlag auf einen Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt hat, soll aus Habgier gehandelt haben. Er habe auf einen Kursverlust der Borussia-Aktie gesetzt.