Dauerregen in Peru El Niño verlangt den Menschen alles ab

Hunderttausende Peruaner sind von den Unwettern betroffen. Bereits sind Dutzende ums Leben gekommen.

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Überschwemmungen und Erdrutsche (unkommentiert)

0:46 min, vom 20.3.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Klimaphänomen El Niño hat in Teilen Perus durch Überschwemmungen und Erdrutsche verheerende Zerstörungen angerichtet.
  • Seit Jahresbeginn kamen infolge der Unwetter mindestens 75 Menschen ums Leben.
  • Hunderttausende sind von den Unwettern betroffen, Zehntausende haben ihr Hab und Gut verloren.
  • Ein Ende der anhaltenden Regenfälle ist nicht in Sicht.

«Das Land erlebt einen seiner schwersten Momente in den vergangenen Jahren, die betroffene Bevölkerung ist weit grösser als bei früheren Katastrophen», sagte Regierungschef Fernando Zavala am Wochenende in Lima. Flüsse wurden zu reissenden Strömen, die Ortschaften verschwinden liessen und Autos mit sich rissen. Menschen bildeten Ketten, um nicht auch mitgerissen zu werden.

Geleise liegt im schäumenden Fluss.

Bildlegende: Strassen und Geleise wurden von den Wassermassen mitgerissen. Keystone

Vielerorts gilt der Notstand

Landesweit sind mehr als 600'000 Menschen betroffen. Viele von ihnen mussten in Sicherheit gebracht werden. Bereits haben den Regierungsangaben zufolge mehr als 70'000 Menschen ihr Hab und Gut verloren. Millionen weitere könnten von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten werden. Für 811 der mehr als 2800 peruanischen Bezirke gilt der Notstand.

Das Zentrum der drittgrössten Stadt, Trujilio wurde überspült. Auch in der Hauptstadt Lima traten mehrere Flüsse über die Ufer, es kam zu dramatischen Szenen. In vielen weiteren Städten Perus gilt der Notstand. «Es gibt Orte mit noch stärkeren Regenfällen, als wir sie während des Phänomens El Niño 1982 und 1998 erlebt haben», sagte Zavala.

Die Regierung von Präsident Pedro Pablo Kuczynski stellte für den Wiederaufbau bisher umgerechnet knapp 800 Millionen Franken zur Verfügung.

Ein Mann sitze an einem Fluss, daneben einige Habseligkeiten, die er retten konnte.

Bildlegende: Zehntausende Peruaner haben ihr Hab und Gut verloren. Reuters

Fünf Grad zu warmes Meer

Wissenschaftler sprechen vom Phänomen eines «Küsten-Niño»: Die Meerestemperatur ist bis zu fünf Grad höher als üblich um die Zeit, das führt zu Wetterextremen. Allerdings ist das Phänomen bisher auf den Pazifik vor Peru begrenzt. Es könnte aber Vorbote sein für ein neues starkes El-Niño-Phänomen.

Die heftigen Regenfälle in den Anden lassen die Flüsse Perus zu Strömen werden, die sich den Weg zum Ozean suchen. Dabei reissen sie alles mit, was auf ihrem Weg liegt. Durch das starke Gefälle zwischen dem Gebirge und der Küste kommt es auch zu zahlreichen Erdrutschen. Vor allem Orte an Hanglagen wurden zu Katastrophenregionen: Im Ort Chosica, 40 Kilometer östlich von Lima, wurden teilweise ganze Häuser von den Fluten mitgerissen. Tausende Häuser sind bereits zerstört.

Seit Jahresbeginn haben sich in der Region die Klimaphänomene gehäuft. In Chile führte Trockenheit zu den schwersten Waldbränden seiner Geschichte, in Peru sind es nun die Regenfälle.