Flamenco in Königsfelden «Bolero. Tanz der Feuertaube» inspiriert von Silja Walter

Seit 10 Jahren ist «tanz&kunst königsfelden» ein wichtiger Begriff in der Aargauer Kulturszene. In der diesjährigen Produktion «Bolero. Tanz der Feuertaube» stützt sich die künstlerische Leiterin und Choreografin Brigitta Luisa Merki auf das Werk der Klosterfrau und Schriftstellerin Silja Walter.

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Die Tänzer wärmen sich auf vor der Probe

0:53 min, vom 19.5.2017

Donnerstagabend, kurz vor der Hauptprobe in der Klosterkirche Königsfelden. Eine Wespe fliegt herum. Choreografin Brigitta Luisa Merki schlägt Alarm. Das Insekt muss weg.

Die Tänzerinnen und Tänzer brauchen für die Vorbereitung auf die Probe höchste Konzentration. Die Wespe würde sie ablenken. Und schlimm wäre es, wenn jemand gestochen würde. Ein Techniker kümmert sich um das Problem.

«  Ich muss jetzt nehmen, was kommt. »

Brigitta Luisa Merki
Choreografin

Tausend Dinge sind erledigt worden in den letzten Monaten. Und ein paar Details müssen bis zur Premiere noch erledigt werden. «Ich bin müde. Ich habe alles gemacht, was ich tun konnte. Alle Elemente sind zusammengefügt. Ich muss jetzt nehmen, was kommt», sagt Brigitta Luisa Merki.

Tanz, Musik, Kunst und Lyrik

Merki ist Gründerin der Tanzcompagnie Flamencos en route. Und sie ist auch die Erfinderin von «tanz&kunst königsfelden». Diese Institution hat sich in den letzten Jahren zu einem kulturellen Leuchtturm des Aargaus entwickelt.

Das Konzept: In einer Kirche aus dem Mittelalter werden moderne Tanzformen, Musik und Kunst zu einem Gesamtkunstwerk zusammengeführt.

In der aktuellen Produktion «Bolero. Tanz der Feuertaube» steht die Tanzcompagnie Flamencos en route zusammen mit einem klassischen Musikensemble auf der Bühne. Das Aargauer Kammerorchester Chaarts spielt unter anderem eine neu arrangierte Fassung von Maurice Ravels «Bolero».

Zudem wird zu einem Originalwerk des Flamencokomponisten Antonio Robledo getanzt. Robledo ist selbst langjähriger musikalischer Leiter von Flamencos en route.

Inspiriert von Silja Walter

Die Inspiration zu «Bolero. Tanz der Feuertaube» erhielt Brigitta Luisa Merki von der Schriftstellerin und Klosterfrau Silja Walter. Sie kannte sie persönlich. Die Gedichte von Silja Walter seien «durchtränkt» von Tanz, sagt Merki. Walter sei ins Kloster gegangen, um dort Freiheit, künstlerische Freiheit zu finden. Tanzmotive seien überall im Werk von Walter vorhanden.

«Ich habe musikalische und tänzerische Bilder geschaffen, die wie Gedichte sind», führt Brigitta Luisa Merki aus. Es gehe ihr nicht darum, in der neusten Produktion eine Geschichte zu erzählen. Sie wolle Schwingungen transportieren aus den Gedichten von Silja Walter, ein Gefühl des Zusammenhalts, das viel mit Rhythmus zu tun habe.

Silja Walter

Portraitaufnahme Silja Walter.

Silja Walter im Kloster Fahr (Aufnahme von 1995). Keystone

Silja Walter wurde 1919 in Rickenbach b. Olten geboren. Ihr Bruder war der Schriftsteller Otto F. Walter. Sie selbst veröffentlichte als Schriftstellerin über 60 Werke und erhielt mehrere Preise, unter anderem den Gesamtwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung und den Kunstpreis des Kantons Solothurn. Silja Walter starb 2011 im Kloster Fahr.