Forschungsstandort Bern Universität Bern will Tierversuche überflüssig machen

Forschende an der Universität Bern haben einen Test entwickelt, um das Nervengift Botulinum nachzuweisen. Das Verfahren könnte Tierversuche in diesem Bereich ersetzen.

Vergrösserung der neuronalen Kultur.

Bildlegende: Vergrösserung der neuronalen Kultur. ZVG/Universität Bern, Stephen Jenkinson

Botulinum ist eine der giftigsten Substanzen überhaupt. In den letzten Jahren ist das natürliche Nervengift aber immer stärker auch in der Medizin eingesetzt worden, zum Beispiel um chronische Kopfschmerzen oder Dystopien zu heilen oder um Falten zu glätten.

Um zu testen, ob ein Medikament zu viel Botulinum enthält, werden Tierversuche durchgeführt. Die Universität Bern schätzt, dass jährlich gegen 600'000 Mäuse vergiftet werden für diese Tests.

Nervenzellen aus Stammzellen gezüchtet

Nun haben Forscher am Institut für Infektionskrankheiten einen Test entwickelt, der Tierversuche reduzieren könnte. Sie haben dazu sogenannte Multielektrodenarray-Chips eingesetzt. Diese Chips machen es möglich, den Stromfluss in Nervenzellen zu messen.

Mikroskopische Ansicht von Nervenzellen, grüne Farbe und ein Raster.

Bildlegende: Neuronen, die auf einem Multielektrodenarray (MEA) gewachsen sind und ein Netzwerk gebildet haben. ZVG/Universität Bern, Stephen Jenkinson

Die Forscher haben aus Stammzellen von Mäusen neue Nervenzellen gezüchtet auf den Chips. So können sie analysieren, ob eine Zelle gelähmt ist, wenn sie mit Botulinum behandelt wird. Bisher waren Analysen in der Empfindlichkeit wie an der Universität Bern nicht möglich.

Das Verfahren ist allerdings noch nicht bereit für den industriellen Einsatz. Dazu brauche es noch weitere Untersuchung, schreibt die Universität Bern in einer Mitteilung. Das Potential sei aber vorhanden, dass Botulinum und auch andere giftige Substanzen erkannt werden könnten – ohne den Einsatz von lebenden Mäusen.