Adieu Bankgeheimnis 5 Fragen und 5 Antworten zum automatischen Informationsaustausch

1000er-Note in zwei Händen

Bildlegende: Laut SNB haben ausländische Kunden habe noch immer über 3,2 Milliarden Franken in der Schweiz. Keystone

Ausländische Kunden können sich nicht länger auf das Schweizer Bankgeheimnis verlassen: Ab 2017 fliessen Angaben über Namen, Kontonummern, Kontostand, Zinserträge und anderes mehr an ausländische Steuerbehörden. Das Wichtigste in Kürze.

Ist das Schweizer Bankgeheimnis jetzt definitiv tot?

Nicht ganz. Für inländische Bankkunden gilt nach wie vor der Schutz des Bankgeheimnisses. Die Bevölkerung kann 2017 darüber abstimmen, ob das Bankgeheimnis gar in der Bundesverfassung verankert werden soll. Für viele ausländische Kunden hingegen, die Geld in der Schweiz haben, fällt dieser Schutz mit der Einführung des automatischen Informationsaustausches (AIA) weg.

Was ändert sich für ausländische Kunden?

Ihre Schweizer Bank wird künftig Informationen über sie an die Behörden liefern: Dazu gehören beispielsweise Name, Kontostand, Dividendenerträge und anderes mehr. Die ausländischen Steuerbehörden können gestützt auf diese Daten allfällige Steuersünder aufspüren.

Welche Länder machen mit beim AIA?

Bisher haben sich rund 100 Länder zum AIA bekannt. Neben grossen europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und Grossbritannien haben sich auch Schwellenländer wie Brasilien, Russland und Südafrika dazu bekannt. Ebenso die Finanzplätze Hongkong und Singapur. Die Länder handeln bilateral untereinander aus, wer wann welche Informationen austauschen wird. Die Schweizer Banken werden erstmals im Jahr 2018 Daten über ihre ausländische Kundschaft liefern.

Werden die Schweizer Banken künftig also weniger ausländisches Geld verwalten?

Viele Kunden haben ihr Schwarzgeld in den letzten Jahren bereits deklariert oder aus der Schweiz abgezogen. Dennoch haben ausländische Kunden noch immer über 3,2 Milliarden Franken in der Schweiz, wie Zahlen der Schweizerischen Nationalbank zeigen. Die Schweiz hat in diesem grenzüberschreitenden Geschäft weltweit einen Marktanteil von 25 Prozent – damit ist sie noch immer der grösste Offshore-Finanzplatz.

Wie kam es eigentlich zum AIA?

Auslöser war die Finanzkrise: Die Staatskassen waren leer, dadurch ist der Druck auf Steuersünder international gestiegen. Treibende Kraft hinter dem AIA ist die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Sie hat den AIA-Standard entwickelt. Umsetzen müssen ihn jedoch die einzelnen Länder mit ihren Gesetzen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Das Ende des Bankgeheimnisses

    Aus 10vor10 vom 28.12.2016

    Auf das neue Jahr führt die Schweiz den sogenannten automatischen Informationsaustausch ein. Schweizer Banken übermitteln hierbei künftig Daten von im Ausland steuerpflichtige Kunden an die eidgenössische Steuerverwaltung. Das legendäre Bankgeheimnis ist somit Geschichte.

  • AIA: Grosse Schlupflöcher für Steuerbetrüger

    Aus ECO vom 5.9.2016

    Der automatische Informationsaustausch AIA tritt demnächst in Kraft: Damit ist das Bankgeheimnis für ausländische Bankkunden aufgehoben. Doch schon heute ist klar, dass weiterhin international Steuern hinterzogen werden können. Denn der AIA hat grosse Mängel.

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