KESB-Bericht: Viele Fragen, kaum Antworten

Vor drei Jahren nahm die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde ihre Arbeit auf. Seither ist die Kritik nicht abgebrochen. Ein Bericht sollte nun erstmals Bilanz ziehen. Das ernüchternde Fazit: Die Auswertung gibt wenig Aufschluss, die Fronten bleiben verhärtet.

Aktenordner während einer Sitzung der Kesb im Mittelland.

Bildlegende: Kritiker, aber auch die KESB selbst, wollten Aufschlüsse. Doch klare Erkenntnisse liefert der Bericht kaum. Keystone

Alles werde besser mit dem Wechsel zur Kindes- und Erwachsenenschutz-Behörde: Die KESB koste zwar etwas, doch würden die Angestellten den nötigen Bildungshintergrund mitbringen, seien also Profis und könnten so gut und ohne befangen zu sein entscheiden. So lautete das Versprechen, als vor drei Jahren die Vormundschaftsbehörden abgeschafft und durch die KESB ersetzt wurden.

Nun zeigt die erste Analyse des Bundes: Die Zahlen vor und nach dem Systemwechsel 2013 lassen sich gar nicht vergleichen, weil die Behörden damals und heute nicht das Gleiche erfassen würden.

Ein absurder Vergleich?

Das war auch zu erwarten, sagt Patrick Fassbind, Leiter der KESB Basel-Stadt: «Ich finde es absurd, ein Laiensystem mit dem heutigen, professionellen System zu vergleichen. Diese Anstrengungen sind nicht zielführend».

Ferner brauche ein solcher Wechsel seine Zeit. Auch, bis eine sinnvolle Auswertung möglich sei. Gerade in ländlichen Gebieten brauche es mehr Aufbauarbeit als in städtischen Zentren.

Bund will Zahlen und Fakten

Trotzdem sollen die Arbeit der KESB künftig bewertet werden können, sagt David Rüetschi vom Bundesamt für Justiz: «Die Kantone sind daran, einheitliche Standards einzuführen. Natürlich ist es sehr unbefriedigend, dass man in einem so wichtigen Bereich keine Zahlen hat.»

Konkrete Zahlen hätte sich auch KESB-Kritikerin und SVP-Nationalrätin Yvette Estermann gewünscht: «Ich habe mich im Vorfeld erkundigt, und dann man mich auf diesen Bericht verströstet. Es ist ganz klar, dass ich jetzt enttäuscht bin.»

«Zurück auf Feld 1»

Beim Bund versteht man die Enttäuschung. David Rüetschi glaubt aber nicht, dass die KESB-Kritiker das fehlende Zahlenmaterial für weitere Kritik brauchen werden: «Wenn man die Probleme ernst nimmt und schaut, wie man diese verkleinern kann, sollte der Kritik weitgehend Rechnung getragen werden können.»

Estermann sieht das anders: «Dieses System hat nicht gebracht, was man sich erhofft hat. Wir müssen wieder zurück auf Feld 1. Es sind Fehler passiert, die so nicht weitergeführt werden dürfen – denn der Unmut in der Bevölkerung ist gross.»

Der Bericht wird die Debatte um die KESB also wohl noch einmal ankurbeln. Und auf der anderen Seite können sich die neuen KESB-Behörden nicht auf verlässliche Zahlen berufen, wenn sie ihre Arbeit verteidigen im Sinne des Versprechens von professionellen, effizient geführten Stellen.