Handel per Internet Auch Online-Kunden brauchen Nähe

Einheimischen Online-Shops ist der Erfolg nicht garantiert, wie eine Studie zeigt. Zwischen den Schweizer Onlinehändlern und den ausländischen gibt es aber bedeutende Unterschiede.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Schweizer Online-Anbieter erschwert der starke Franken die Situation auf dem Markt.
  • Die grossen ausländischen Konkurrenten der Schweizer Anbieter spielen ihre Preisvorteile aus.
  • Im Gegensatz zu den grossen ausländischen Konkurrenten haben die Schweizer Anbieter aber bereits bestehende Infrastrukturen zur Abholung.

Im boomenden Online-Handel gebe es nicht nur Gewinner, sagt Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Es profitieren sowohl in der Schweiz als auch im Ausland nur ein Teil der E-Commerce-Anbieter. Es sind vor allem die grossen, allen voran Amazon.» Was den Online-Riesen Amazon von der lokalen Konkurrenz unterscheidet, hat Wölfle in der jüngsten Ausgabe seines E-Commerce-Reports Schweiz analysiert.

Der wichtigste Punkt ist, dass ein Konzern wie Amazon seinen Grössenvorteil gnadenlos ausspielt: So kann er zum Beispiel die Ware in riesigen Mengen viel billiger einkaufen und dann günstig anbieten.

Schweizer mit Preisnachteilen

Dazu kommt als Nachteil der Schweizer Anbieter der starke Franken. Er macht den hiesigen Online-Händlern das Leben zusätzlich schwer, ähnlich wie der Einkaufstourismus den traditionellen Detailhandel bedrängt.

Allein schon diese Preisnachteile wegzustecken, falle vielen Schweizer E-Commerce-Firmen schwer, sagt Wölfle. Doch eine Chance zu überleben hätten sie trotzdem, wenn sie attraktive Zusatzleistungen anbieten.

«Eine Leistung besteht nicht nur aus dem Produkt und dem Preis, sondern auch aus Services. Dieser besteht aus gewissen Angeboten, die ich in der Schweiz näher am Kunden erbringen kann als ein anonymer Anbieter», sagt Wölfle. So kann zum Beispiel ein Schweizer Online-Möbel-Händler sein Sortiment besser auf den Geschmack der hiesigen Kundschaft ausrichten.

Abholpunkte vor Ort

Und noch einen zweiten Pluspunkt haben Schweizer Firmen der ausländischen Konkurrenz voraus: Sie haben eigene Abholpunkte vor Ort, nahe bei den Kunden. Beispiele dafür sind Migros und Coop. Sie sind daran, ihre traditionellen Filialen immer enger mit dem neuen Online-Handel zu verzahnen.

Beide Grossverteiler bauen deshalb ihr Netz von sogenannten Pick-up-Stellen derzeit aus. Wölfle sagt: «Das ist einer der ganz grossen Trends, die wir im Moment haben, dass die beiden Grossverteiler ihre Filialen nutzen, um dem Kunden die Möglichkeit zu geben, an einem beliebigen Ort innerhalb der Gruppe Waren abzuholen, unabhängig davon, wo sie es bestellt haben.»