Die BuchKönig bloggt Kanae Minato schleudert mich aus der Bahn

Der Thriller «Geständnisse» von Kanae Minato ist verstörend gut. Ich fühle mich beim Lesen wie auf einer Kamikaze- Achterbahn. Erst geht's ruckelnd hoch. Dann rase ich in die Tiefe und kreische mir das halbe Halszäpfchen raus.

Annette liegt auf einer Tatami-Matte und hält den Thriller «Geständnisse» von Kanae Minato in den Händen

Bildlegende: Zen in der Kunst des Thrillens Annette König braucht Nerven für das, was ihr Minato auftischt. Trotzdem ist es ein Genuss. Dafür gibt es fünf Kronen... AK

5 Kronen

Bildlegende: Bewertung: 5 Kronen. Colourbox

Wauuu. Was für eine Fahrt! Kanae Minato ist eine Zen-Meisterin, wenn's drum geht, kunstvoll dem Bösen ins Auge zu sehen. Dafür braucht es Mut, starke Nerven und endlos Adrenalin. Mut und Nerven bringe ich mit. Adrenalin kriege ich gratis beim Lesen von Minatos Thriller.

«Geständnisse» ist ein Buch, in dem es um Schuld und Sühne, um Rache und Selbstjustiz geht. An einer japanischen Schule ertrinkt ein kleines Mädchen in einem Pool. Es ist die vierjährige Manami, die Tochter der Lehrerin Yuko Moriguchi. Diese kündigt kurz darauf ihren Job. Am Tage ihres Abschieds tritt sie mit einem schrecklichen Geständnis vor ihre Klasse.

«Manami ist gestorben, weil ich auf sie hätte aufpassen sollen und nicht achtsam genug war. Warum also habe ich beschlossen zu kündigen? Weil Manamis Tod kein Unfall war. Sie wurde ermordet, und zwar von Schülern aus dieser Klasse.»

Krass. Was dann kommt, sprengt meine Vorstellungskraft.

Daumen rauf?

  • Dieser Thriller überrascht: Er beginnt da, wo herkömmliche Thriller aufhören.
  • Nicht die Aufklärung des Mordes steht im Zentrum, sondern die Frage, was uns blüht, wenn das Böse von der Leine gelassen wird.
  • «Geständnisse» ist ein vielschichtiges Buch. Die Autorin beleuchtet menschliche Abgründe und schaut in die Psyche ihrer Mörder hinein. Sie sucht aber auch nach den Ursachen von Gewalt. Und sie übt Kritik an der japanischen Leistungsgesellschaft, die den Menschen zum gefühlslosen Roboter macht.
  • Dieser Thriller ist ein Page-Turner. Er ist aus fünf Perspektiven erzählt. Ich werde mit verschiedensten Wahrheiten konfrontiert und beginne an meiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Frei nach Shakespeare: Wer ist schuldig, wer nicht: that's the question!

Daumen runter?

Keine Haftung. Lesen auf eigene Gefahr!

Zeichnung mit 7 Todesarten druch Bombe, Messer, Hand, Gift, Wasser, Elektro-Schock und Aids in «Geständnisse» von Kanae Minato

Bildlegende: Im Thriller von Kanae Minato wird gestorben - auf vielfältigste Art und Weise AK

Der Thriller «Geständnisse» von Kanae Minato liegt auf einem Teller, das Besteck liegt darauf aufgestützt und impliziert ich will noch mehr

Bildlegende: Annette König kriegt von «Geständnisse» nicht genug AK

Die Autorin

Kanae Minato wurde 1973 in Japan geboren. Mit «Geständnisse» landet sie einen internationalen Bestseller, der auch verfilmt wurde. Für ihre Romane und Kurzgeschichten wurde sie vielfach ausgezeichnet.

Das Buch: Kanae Minato: «Geständnisse» (2017, C. Bertelsmann)

Die BuchKönig

Die BuchKönig

Ich, Annette König, bin Redaktorin bei SRF Literatur. In meinem Bücher-Blog teile ich meine Lese-Leidenschaft mit allen, die Bücher lieben. Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Melancholie, Heiterkeit, Verzauberung, Unbehagen und Anzeichen schwerer (Sprach)Verliebtheit sind nicht ausgeschlossen.

Noch mehr Buchtipps?