Digitalisierung & Schulsponsoring – wo stehen Schweizer Schulen?

Die Schulen in der Schweiz sind im Umbruch. Das grosse Stichwort heisst Digitalisierung. Papier und Bleistift werden zunehmend durch Tablets ersetzt.

Heute werden in vielen Schweizer Schulen Tablets verwendet: vom Kindergarten bis zur Gymnasialstufe. Die digitale Schulstube hat einen langen Weg hinter sich. Erste Computer gibt es an Schweizer Schulen seit Beginn der 1980er Jahre: Es sind Geräte ohne Internetverbindung und ohne Benutzersoftware. Geräte, die ausschliesslich zum Programmieren dienen. Walter Gander, langjähriger Professor für Informationstechnologie an der ETH Zürich, erinnert sich: «Mitte der Achtziger Jahre musste man programmieren, wenn man Anwendungen haben wollte. Das Internet veränderte dies: plötzlich war Software frei zugänglich und das Programmieren wurde als unnötig empfunden. Man sagte sich: Wir müssen den jungen Leuten nur noch beibringen, Computer und Software zu bedienen.»

Das Internet ändert, wie Computer in der Schule genutzt werden

Mit den ersten kommerziellen Modems haben Mitte der Neunziger erstmals auch Schweizer Klassenzimmer einen Internetzugang. Die Schüler sitzen gemeinsam vor dem einzigen Computer im Zimmer und stellen über die Telefonleitung eine Internetverbindung her.

Eine neue Technologie zieht in die Schule ein, die Rolle des Lehrers beginnt sich zu verändern. Nicht nur wie, sondern auch ob man das Internet in der Schule überhaupt benutzen soll, ist vor knapp zwanzig Jahren unter Pädagogen umstritten. Lehrer Markus Harry von der Rudolf Steiner Schule in Ittigen bei Bern erklärt in einer Diskussion im damaligen Radio DRS «Der Computer und der Internetanschluss gehören aus meiner Sicht nicht ins Schulzimmer.»

Spätestens mit der Jahrtausendwende wird sich das ändern: die Welt stellt von analog auf digital um, also vom Telefonmodem auf das Breitbandnetz. Das Internet wird schneller und breitet sich weiter aus. Auch in den Schulen. Der Bund erkennt inzwischen die Zeichen der Zeit und lässt 5‘000 Schulen ans Internet anschliessen - in Zusammenarbeit mit Firmen wie der Swisscom.

Mit den Tablets kommt auch das digitale Schulsponsoring

Heute sieht der Schulunterricht noch einmal anders aus: Aus dem Internetzugang über das Wahlmodem von einst sind mittlerweile Wifi und Glasfaser geworden. Schülerinnen und Schüler arbeiten heute nicht mehr in Computerräumen, sondern mit Tablets in ihren Händen.

Eine Entwicklung, die die Schule zum interessanten Markt für Firmen macht, die mit ihren Produkten die Bildungsinstitute erobern wollen. Das Zauberwort hier: Schulsponsoring.

Digitales Schulsponsoring kommt in vielen Formen daher: von Infrastruktur und Geräten über Lern-Apps, bis zur Finanzierung von Lehrerweiterbildungen. Noch wissen Schweizer Schulen nicht so recht, wie sie mit diesem Sponsoring umgehen sollen. Rechtlich sei das von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt, sagt der Präsident des Schweizer Lehrerverbandes Beat Zemp: «Einige machen sehr viel, andere wenig.»

Wie häufig Sponsoring an Schweizer Schulen vorkomme, wisse derzeit niemand. Beat Zemp findet, das Bundesamt für Statistik sollte die Bildungsstatistik aufstocken und Daten zum Sponsoring auch für Sekundar- und Gymnasialschulen erheben. Auch die Landesteile sind verschieden in Sachen Sponsoring: «In der Romandie ist man viel kritischer», sagt Zemp. Der Kanton Waadt ist beispielsweise so kritisch, dass Schulsponsoring per Gesetz vollständig verboten ist. Michael Fiaux vom Waadtländer Bildungsdepartement spricht von kommerzieller Propaganda. Der Gesetzgeber wolle die Schüler schützen und die Neutralität der Schulen erhalten.

In Schweizer Schulen aktiv: Samsung

In Kantonen, wo Schulsponsoring erlaubt ist, sind Tech-Giganten wie die südkoreanische Firma Samsung in Klassenzimmern präsent. Samsung arbeitet mit sechs Schweizer Schulen zusammen. Konkret heisst dies: den Klassen werden Tablets von Samsung zur Verfügung gestellt. Samsungs Sponsoring kommt noch in anderen Formen: Die Firma beteiligt sich finanziell an der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen an den Pädagogischen Hochschulen Zürich und Zug und betreibt eine digitale Lernplattform.

Lernerfolg durch Tablets nicht garantiert

Besonders interessant für Tech-Firmen wie Samsung ist die Frage, ob die Schülerinnen und Schüler mit den Tablets besser lernen. Dies steht noch nicht fest. Samsung forscht dazu derzeit im Rahmen mehrerer Pilotversuche mit Tablets an Schweizer Schulen. Brigit Jenni, Englischlehrerin an der Primarschule Sigriswil im Berner Oberland, sagt dazu: «Ich weiss nicht ob die Schülerinnen und Schüler besser lernen. Sie lernen sicher anders. Aber besser? Ich denke nicht.»

Trotzdem sei es wichtig, dass die Schüler Tablets im Unterricht kennenlernen, meint der Technologie-Verantwortliche der Schule, Christoph Schluchter: «Das Tablet ist nicht das Wunderding, sondern der logische Schritt in die Zukunft. Die Schule ist dafür verantwortlich, dass sie die Schüler ausbildet für das, was nach der Schule kommt. Das Tablet ist einfach ein Arbeitsinstrument in der heutigen Zeit.»

Mit der Digitalisierung kommen also neue Fragen und Herausforderungen auf die Schulen zu: Wo liegen die Grenzen beim Schulsponsoring? Welchen Preis wollen wir für digitale Schulen zahlen? Was die Antworten auf diese Fragen betrifft - da stecken die Schweizer Schulen noch in den Kinderschuhen.

Datenschutz beim Sponsoring

Datenschützer bereitet das digitale Schulsponsoring Sorgen. «Firmen haben ein Interesse an Personendaten», sagt Fritz Tanner, Datenschutzbeauftragter des Kantons Thurgau.

Noch sind Tanner keine Verletzungen des Datenschutzes durch Sponsoren bekannt, aber man dürfe sich keine Illusionen machen: «Sobald wir im Internet sind, hinterlassen wir Spuren.»