Jetzt wird’s gloriös kitschig bei KLUBBB3

Mit etwas «Simsalabim», weissen Pferden und «Abrakadabra» verwandeln sich KLUBBB3 im Video zu ihrer aktuellen Single in Märchenprinzen. Da wird Kitsch mit der grossen Kelle angerührt. Sogar Skandalfürstin Gloria von Thurn und Taxis kommt zum Einsatz und mixt eine Prise Klischee in den Zaubertrank.

Dass Florian Silbereisen, Jan Smit und Christoff de Bolle zu ihrer kitschigen Ader stehen, war zwar schon vorher klar. Man muss jedoch schon etwas kindliche Fantasie haben, um sich von KLUBBB3’s neustem Erzeugnis angesprochen zu fühlen. Bei «Märchenprinzen» fragt man sich zurecht, wieviel Kitsch eigentlich noch erträglich ist.

Schräge Männerrolle

Nur schon beim Intro des Liedes säuselt Florian Silbereisen «Leider gibt es immer noch viel zu viele Frauen, die nicht erkennen, dass wir Männer in Wahrheit Märchenprinzen sind». Da wird es einem Grossteil des «starken» Geschlechts ganz flau im Magen. Was für ein Männerbild wird hier eigentlich verkörpert? Auch unser Schlagerexperte Roger De Win empfindet dieses klischeebehaftete Wortspiel beinahe schon als Affront.

Gloriös-skandalös

Gut möglich, dass die Produzenten hinter KLUBBB3 einen witzigen Akzent im Repertoire der Band setzen wollten. Leider geht der Schuss nach hinten los. Da nützt es auch nichts, dass mit Gloria von Thurn und Taxis eine waschechte Adelige aufgeboten wird. Sie stimmt nicht nur im Märchenprinzen-Chor mit ein, sondern öffnet zwecks Videodreh sogar Tür und Tor zu ihrem eindrücklichen Schloss Emmeram in Regensburg. «Ihr seid die Märchenprinzen, auf die ich schon so lange gewartet habe», seufzt sie erwartungsvoll und schmeisst sich in ihre fürstliche Garderobe.

Immerhin kratzt die skandalumwobene Gloria damit nicht erneut an ihrem Image. Dieses wurde bereits schon in den 1980-er Jahren durch ihren haarsträubenden Auftritt bei «Wetten Dass...?» oder durch ihre mehrfachen, erzkonzservativen Äusserungen betreffend Sexualität strapaziert. Nun darf sie sich als mondäne Gastgeberin im pompösen Interieur des schlosseigenen Silbersaals präsentieren und erfüllt damit gleichfalls ein Klischee.

Abgesehen davon aber darf man nicht vergessen, dass KLUBBB3 binnen eineinhalb Jahren einen riesigen Karrieresprung verzeichnen konnten. Gerade durch ihre positive Message und lebensbejahende Art schaffen es die drei Sonnyboys ihr Publikum mitzureissen. Mit ihrem Debut «Du schaffst das schon» und dem Nachfolger «Jetzt erst recht» steuerten KLUBBB3 schon einmal in die richtige Richtung. Bleibt zu hoffen, dass sie diesem Ziel treu bleiben und nicht allzu sehr in Klischee-behaftete Kitschwelten abdriften.