Aus dem Sagen-Schatz von Marie Odermatt-Lussy

Mit fünf Sagen aus dem Kanton Nidwalden setzt SRF Musikwelle die Reihe «schuurig-schöni Schwiizer Sage» fort. Diesmal begegnen wir Marie Odermatt-Lussy (1891-1971), einer vielseitig engagierten Frau mit grossem Interesse für Brauchtum und Geschichten.

In ihrem Dorf nannte man Marie Odermatt-Lussy «Bierhahne-Marie» oder «Sepplene», denn als ledige Frau schenkte sie in der Krone Bier aus, später war sie mit einem Seppel verheiratet.

Couragiert und neugierig

Marie Odermatt-Lussy war eine couragierte Frau. Sie nahm gegenüber Land- und Regierungsräten kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Rechte der Frauen ging. Nebst Politik galt ihr Interesse der Nidwalder Kulturgeschichte.

Ausschlaggebend für ihre grosse Neugier auf diesem Gebiet sei ein Buch über die Mode des 18. Jahrhunderts gewesen, erzählte Marie Odermatt-Lussy 1988 am Radio. Bei der Lektüre habe sie realisiert, wie viele modische Elemente aus jener Zeit die Schweizer Trachtenmode beeinflusst hätten.

«gspässige» Geschichten

Das Trachtenwesen weckte schliesslich ihr Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen. Marie Odermatt-Lussy beschäftigte sich mit Ratsprotokollen und Chroniken. Bei ihren Recherchen stiess sie immer wieder auf «gspässige» Geschichten, die es früher Wert waren aufgeschrieben zu werden.

Diese ausserordentlichen Geschichten begann sie zu sammeln und zu erzählen. Die Quellenangabe war ihr dabei besonders wichtig, denn sie wusste, dass sich Geschichten über Jahrhunderte hinweg verändern. Denn je nach Zeit können Sagen eine neue, eine andere oder überhaupt keine Bedeutung mehr haben.

Zwischen 1948 und 1988 hat Marie Odermatt-Lussy etliche Nidwalder Sagen am Schweizer Radio erzählt. Aus diesem wertvollen Archivschatz, stellen wir fürs Erste drei Geschichten vor.

Marie Odermatt-Lussy erzählt Sagen aus dem Kanton Nidwalden