Lo & Leduc malen die schönsten Wortbilder der Schweiz

Auf ihrem diesen Freitag erscheinenden neuen Album «Ingwer & Ewig» entzünden Lo & Leduc ein Metaphernfeuerwerk. Eine sprachliche Meisterleistung der beiden Berner Rapper! Nichts wird direkt gesagt und trotzdem: die Inhalte sind klar, lassen aber auch grossen Interpretationsspielraum.

Während Kinder Sandburgen bauen, werden bei Lo & Leduc wundersame Schlösser aus Wörtern errichtet, in denen man wohnen möchte und dessen Wände Geschichten erzählen. Geschichten aus dem Leben, schwankend zwischen grausamer Verbitterung und süsser Liebe!

Mit diesen gelangen sie subtil ins Grosshirn der Zuhörenden und bleiben dort für Ingwer und Ewig.

Wo Lo & Leduc draufsteht, ist Lo & Leduc drin

Nach dreijähriger Abwesenheit beliefern die beiden Berner die Schweizer Gehörgänge mit genau dem, wonach diese lechzen. Ein poppig, kreativ durchdachtes Musikpäckli mit «L&L»-Gütesiegel, worauf sowohl Hip-Hop-Liebhabende, als auch Hausfrauen ihr Glück finden.

Den Grossteil der Texte schreiben Lo und Leduc gemeinsam. Ihre Lyrics entstehen am Küchentisch. Aber auch im Speisewagen schreibe es sich gut, erzählen sie. Wir haben ein paar besonders schöne Beispiele ausgesucht:

«Karussell»: der leidende Gesang aus dem Hamsterrad

«  Lug es haltet nümme a, lad üs nie la galoppiere, nei es haltet üs uf Trab / alles treit uf de Stell / Karussell »
«  Di wenigste döfet es Rössli wähle, die meischte nähme was übrig isch / Me hofft ufne Ufstieg, nachem Ufstiige o wenn das ned möglich isch. […] Will es treit nur im Chreis. »

Der stampfende, treibende Beat, die sinngeschwängerten Texte und die harmonievollen Blasinstrumente verleihen dem Song eine passende Schwere. Der perfekte Start in das Album.

«Damevelo»: die Wiederentdeckung der Gemächlichkeit & des individuellen Tempos

«  Si säge i sou mau i Gäng cho / aber I chum gäng no wenn di angere gö »
«  Si sage ich müess kä Angscht ha, s’cha ne dimmer bärgab ga […] und trotz dem Wind im Gsicht giengs gli wieder bärguf »

Auf der Facebookseite deiner Lieblingsband steht: «Schreibt innerhalb von drei Stunden zurück. Immer «on the run» wie ein Tankstellenshop. Dieses Lied erinnert daran, sich nicht stressen zu lassen und alles in gemächlichem Tempo zu leisten.

«Liber»: die Abrechnung mit Kirche und Konsum

«  Zwüsche Hüser mit länge Schätte u Mönsche mit schnäue Schritte, sitzt si de ganz Tag »

«Gloube, öper muess immer dra gloube»: die Gibmirmehr-gibmirmehr-gibmirmehr Attitüde drängt Menschen an den Rand, lässt sie vergessen. Der schwermütige Beat und die giftzahnigen Lyrics klagen an. Nicht bieder, sondern sehr gelungen.

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