Review «Arms»: Innovatives Prügeln für Einsteiger und Fortgeschrittene

Wenn sich Nintendo klassischer Genres annimmt, darf man Innovation erwarten – ein Prügelspiel à la Nintendo heisst deshalb: In «Arms» boxen wir mit ausfahrbaren Armen gegen alle (un)möglichen Gegner. Und gerade wegen dieser Mechanik eignet sich das Game besonders gut für den Genre-Einstieg.

«Arms» ist kein normales Prügelspiel – ein Blick auf die zehn Charaktere reicht, um das zu begreifen.

Min Min ist toll. Sie schreit «Nudeln!» vor jedem Kampf und ihre Nudel-Arme können zu Laserstrahlen speienden Drachen werden. Twintelle hat lange, rote Wimpern und prügelt mit ihren Zuckerwattelocken auf Gegner ein. Byte und Barq sind Roboterpolizisten und Roboterhunde, die bei jedem Schritt klappern.

Auch die Kampfweise ist anders: Wenn wir zuschlagen, fahren die Arme auf Extremlänge aus und schwingen über das ganze Spielfeld. Die Boxhandschuhe sind manchmal Knalltüten, Regenschirme oder Farbkanonen. Wir können sie mit Elementarschaden aufladen und so noch mehr Unheil anrichten.

Einsteigerfreundlich

Meine bisherigen Ausflüge in das Prügelspiel-Genre waren kurz und anstrengend. Zu viele Kombos, die ich mir merken musste (Street Fighter-Serie) oder zu konfuses Herumdrücken auf Knöpfen (Tekken-Serie), als dass es mir irgendwie Spass machte.

Von «Arms» bin ich positiv überrascht. Das Game ist überdreht, lustig und vor allem eins: gut für den Genre-Einstieg. Denn die Zahl der möglichen Schlagkombinationen ist eingeschränkt: Links, Rechts, greifen, springen, ducken oder Spezialattacke. Schnell habe ich die grundlegenden Bewegungen gelernt und damit auch schon die ersten Kämpfe gewonnen – nicht zuletzt dank der überlangen Arme.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Prügelspielen bleiben mir so ein paar Millisekunden mehr, um nachzudenken, die Lage zu überblicken und Schläge zu lernen. Das kommt mir als Einsteigerin entgegen.

Drei verschiedene Boxhandschuhe pro Hand stehen zur Auswahl.

Bildlegende: Vor jeder Runde wählen wir unsere Handschuhe aus. Screenshot SRF Digital

Doch eine einfache Steuerung ist nicht mit einem simplen Game gleichzusetzen. Das wird mir beim «Grand Prix» bewusst, bei Turnieren gegen den Computer mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Mit blossem Drauflosspielen stosse ich hier an meine Grenzen. Jede Niederlage lehrt mich jedoch, mehr auf die Bewegungen der Gegner zu achten, meine Attacken genauer zu planen und die Vorteile der Figur auszunutzen.

Min Min beispielsweise lädt mit jedem Rückwärtssalto ihre Boxhandschuhe mit Strom auf und kann danach elektrische Schläge austeilen. Zudem kann ich vor jeder Runde aus drei verschiedenen Boxhandschuhen wählen, mit denen ich die Hände meiner Figur bestücken kann. Ich beginne also «Arms» mit wildem Knöpfedrücken und bin bald daran, nur noch taktisch und überlegt zuzuschlagen.

Besser zu zweit

Da «Arms» exklusiv für die Switch erschienen ist, probiere ich auch die verschiedenen Spielmodi aus. Das Game erscheint zwar wie gemacht für die Joy-Con, doch die Steuerung mit den beiden Controllern bereitet mir am meisten Mühe. Ich fuchtle nur noch ziellos durch die Gegend und empfinde die Joy-Cons als unpräzise – ich vermisse ein Feedback über die Position meiner Hände im Raum. Darum habe ich mit Controller und der portablen Version weiter gespielt. Das aber funktioniert sehr gut.

Triebfeder vs. Schleife

Bildlegende: Spring Man vs. Ribbon Girl. Screenshot SRF Digital

Doch der Einzelspielermodus erschöpft sich bald: Neben dem klassischen Zweikampf gibt es noch weitere Spielarten – Volleyball und Basketball – in der wir gegen den Computer antreten. Im Volleyball müssen wir einen explodierenden Ball so schlagen, dass er auf der Gegnerseite explodiert. Im Basketball müssen wir den Gegner packen und in den Korb werfen. Zum Glück geht alles aber auch zu zweit: Schnell ist ein weiterer Controller angeschlossen, um gegen Redaktionskollegin Martina Gassner anzutreten. Wer auch das Spielen zu zweit satt hat, kann im Online-Modus übers Netz gegen andere spielen, zu zweit oder alleine.

Hoffentlich kommt noch mehr

«Arms» hat mich in mehrfacher Hinsicht an den Schläfer-Hit «Splatoon» von 2015 erinnert: Nintendo nahm sich eines Genres an, das mit Blut und Brutalität nicht geizt, und ertüftelte eine innovative Game-Mechanik. Wie schon «Splatoon» hat mich deshalb auch «Arms» gepackt und bestens unterhalten. Doch im Einzelspielermodus hat man das Game-Prinzip bald gesehen, die zehn Figuren haben sich schnell angespielt.

Min Min schlägt zu.

Bildlegende: Immer schön feste drauf! Screenshot SRF Digital

«Arms» macht deswegen mit anderen zusammen am meisten Spass: Auf dem Sofa vor der Konsole oder online gegen andere.

Zu «Splatoon» hat Nintendo nach der Veröffentlichung viele Inhalte nachgeliefert. Es bleibt zu hoffen, dass auch bei «Arms» bald noch mehr Figuren dazukommen, noch mehr Boxhandschuhe und noch mehr Tricks, um die Gegner zu vermöbeln.

Nintendo hat mit «Arms» erneut ein Game geliefert, dass Nintendo-typischer nicht sein könnte: ein bekanntes Genre, angereichert mit eigenen Twists und mit einer ausbalancierten und polierten Game-Mechanik.

«Arms» läuft auf der Nintendo Switch und ist ab 12 Jahren.