Review «Parappa the Rapper Remastered»: Klassiker, schlecht gealtert

Ein ganzes Genre hat dieses Game begründet: «Parappa the Rapper» war das erste Rhythmus-Spiel. Vor zwanzig Jahren war «Im Takt lüpfiger Musik die richtigen Knöpfe drücken» neu und aufregend. Nun ist das Spiel als Remaster neu erschienen – und es ist nicht gut gealtert.

«Parappa the Rapper» hat seinen Platz in der Game-Geschichte auf sicher. Das 1996 erschienene Game war mit rund eineinhalb Millionen verkauften Stück nicht nur erfolgreich, sondern hat gleich ein ganzes Genre begründet.

«Beatmania», «Dance Dance Revolution», «Rez», «Guitar Hero», «Rockband», «Just Dance», «Groove Coaster» – sie alle haben dasselbe Prinzip: Im Takt der Musik die richtigen Knöpfe drücken.

Ein Mann haut elegant und perfekt getimed auf einen grossen runden Knopf.

Bildlegende: Er spielt «Groove Coaster», in der Taito Station, einer Arcade in Akihabara, Tokyo. Oktober 2016. Guido Berger

Je schneller und komplexer die Musik, desto schwieriger, weil wir mehr Knöpfe in komplizierteren Mustern drücken müssen. Noch heute dominieren die Rhythmus-Games die japanischen Arcades (siehe Foto).

Die eigentlich naheliegende Idee für so ein Game hatte Masaya Matsuura als erster. Als Musiker hatte er vor «Parappa the Rapper» mit der J-Pop-Band «Psy·S» (ausgesprochen wie «size») Erfolg. Anfang der 90er-Jahre interessierte er sich immer mehr für Computermusik mit visuellen und interaktiven Elementen. Er war der erste japanische Musiker, der statt einem Album eine CD-ROM veröffentlichte. Ein Musik-Game zu entwickeln war der nächste logische Schritt.

Süsser 90er-Jahre-Whiteboy-Rap

Rappt die Karate-Zwiebel.

Bildlegende: Kick! Punch! It's all in the mind! Screenshot SRF

Wir spielen darin Parappa, einen Hund mit roter Mütze, der ein Sonnenblumen-Mädchen beeindrucken möchte. Er muss kämpfen lernen, eine Fahrprüfung bestehen oder die Schlange vor dem WC überspringen – natürlich immer mit besonders präzisen Raps.

Das Game versprüht mit süssem 90er-Jahre-Whiteboy-Rap immer noch viel Charme. Und es lebt von den tollen Figuren, gezeichnet vom amerikanischen Illustrator Rodney Greenblat. In sechs Tracks oder Stages lernen wir, immer besser zu rappen – bei der Karate-Zwiebel «Chop Chop Master Onion», der Fahrlehrerin und Elch-Dame «Instructor Mooselini», einem Huhn namens «Cheap Cheap» mit einer Stimme wie die der legendären TV-Köchin Julia Child; und meinem Liebling, dem Reggae-Frosch «Prince Fleaswallow».

Das alles funktioniert noch heute wunderbar. Die albernen Reime sind toll, die Songs krallen sich im Ohr fest. Die Kinderbuch-Optik ist in besser aufgelöster HD-Grafik noch schöner. Das gilt aber leider nur für die eigentlichen Songs, nicht die Zwischensequenzen, welche die Rahmenhandlung erzählen. Die wurden unverständlicherweise nicht «remastered», sondern werden lieblos in mieser Original-Playstation-Auflösung abgespielt.

Video: Guido spielt «Parappa the Rapper», Teil 2 (Let’s Play)

Probleme mit moderner Technologie

Besonders in den Menüs merkt man dem Spiel an, dass ihm zwanzig Jahre Fortschritte in Benutzerführung fehlen: Speichern, zwischen Songs wechseln oder Optionen auswählen ist alles unnötig kompliziert.

Nur in der schlechten Original-Auflösung abgespielt.

Bildlegende: Lieblos, weil nicht remastered: die Zwischensequenzen. Screenshot SRF

Anderenorts steht die moderne Technologie dem Remaster dagegen im Weg, nämlich wenn es um die möglichst latenzfreie Darstellung geht. Natürlich ist Latenz in einem Rhythmus-Game besonders störend. Schon ein paar Millisekunden Verschiebung zwischen Ton und Bild oder Ton und Kontroller-Input machen das Game unspielbar (siehe die Let’s-Play-Videos – bevor ich dank Hilfe aus dem Chat begriff, dass unser Live-Streaming-System das Signal verzögert, rappte ich grauenhaft; der Aha-Moment kommt in Teil 2 nach 12:20).

Moderne digitale Bildschirme oder drahtlose Tonsysteme verzögern ihr Signal leicht. «Parappa the Rapper» ist zu alt, um das zu kompensieren, weil es aus einer Zeit mit Analog-Fernsehern und -Ton stammt. Damit du mit dem Remaster also nicht total verzweifelst, ist es wichtig, den Signalweg so einfach wie möglich zu halten. Am besten hat das Game bei mir funktioniert, wenn Bild und Ton ohne Umwege bei einem Fernseher mit direkt angeschlossenen Kopfhörern landen.

Zu strenge Strafen verhindern die Illusion von Kompetenz

U rappin AWFUL!

Bildlegende: Schon wieder schlecht gerappt. Screenshot SRF

Dieses technische Problem zeigt aber auch, dass «Parappa the Rapper» schlicht noch nicht so gut war, wie spätere Vertreter des Genres. Denn das Ziel eines solchen Spiels ist, die Illusion von Kompetenz zu erzeugen. Wir sollen uns fühlen, als könnten wir besonders gut rappen/tanzen/Gitarre spielen – auch wenn wir das nicht wirklich können. Das Game darf deshalb einerseits nicht absolute Präzision verlangen. Und es muss uns andererseits trotzdem geschickt kommunizieren, wenn wir daneben liegen, damit wir uns verbessern können.

«Parappa the Rapper» macht gleich beides falsch: Es ist zu streng. Und verstärkt Fehler. Wenn wir ein bisschen zu spät drücken, wird das entsprechende Wort von Parappa extra noch später und abgehackt abgespielt. Wir hören so zwar unseren Fehler deutlich, aber es klingt schlimm und frustriert besonders, weil es uns zusätzlich aus dem Takt bringt.

Der Floh MC King Kong Mushi leitet die Show.

Bildlegende: Parappa ist endlich ein Held. You gotta believe! Screenshot SRF

Keine Silbe left behind

Ausserdem versucht «Parappa the Rapper» meist, den ganzen Satz abzuspielen. Beispielsweise sollen wir «in the rain or in the snow» rappen, indem wir schnell siebenmal auf die Dreieck-Taste drücken. Verpassen wir eine Silbe, wird diese nicht verschluckt, sondern versetzt doch noch gespielt. Wenn wir also die dritte Silbe verhauen, erklingt nicht «in the … or in the snow», sondern «in the … rain or in the». Das ganze Pattern verschiebt sich und klingt schlimm, selbst wenn wir nur einen kleinen Fehler gemacht haben. Das ist gnadenlos verwirrend und bestraft zu hart. Spätere Hits des Genres wie «Guitar Hero» lösten das viel besser.

Trotzdem: «Parappa the Rapper» ist ein ganz wichtiges Game. Mit der Historiker-Brille auf der Nase finde ich es toll, und es ist schön, dass es uns in dieser neuen Form erhalten bleibt. Doch ohne diese Brille ist es leider ziemlich klobig.

«Parappa the Rapper Remastered» ist für Playstation 4 und kostet 15 Franken.