Assad und die Macht des Chaos

  • Mittwoch, 12. April 2017, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 12. April 2017, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 13. April 2017, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Dienstag, 18. April 2017, 11:15 Uhr, SRF 1
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Die USA haben mit dem Militärschlag Anfang April «eine Botschaft an Assad» gesandt. Dies als Reaktion auf den mutmasslichen Chemiewaffen-Einsatz syrischer Truppen in Khan Sheikhun, bei dem mindestens 84 Menschen qualvoll starben.

Welchen Einfluss der Raketenangriff der USA auf Syrien haben wird, ist noch offen. Fest steht: Seit 2011 herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Schätzungen zufolge kamen in diesen Jahren mindestens 400‘000 Menschen ums Leben. Etwa die Hälfte der Bevölkerung Syriens hat ihr Zuhause verloren. Millionen Menschen, darunter viele Kinder, sind auf der Flucht. Und Baschar al-Assad, der Präsident Syriens sitzt nach wie vor im Sattel. Wie ist das möglich?

Zum Anfang des Dokumentarfilms lässt sich Baschar al-Assad und seine Frau mit der Kamera begleiten. Sie sind auf dem Weg zur Oper in Damaskus. Das Paar mag Kultur. Beide sind dem Westen verbunden: Er und die heutige First Lady haben in London studiert. Er ist Augenarzt, sie Finanzanalystin.

Ein Porträt von Baschar al-Assad zu zeichnen, bedeutet, sich in einen stets adrett gekleideten Diktator hineinzuversetzen und zu ergründen, was er bezweckt und was nicht. Es heisst, sich für einen Menschen zu interessieren, in dessen Händen viel Macht liegt. Macht, unter der viele Menschen enorm leiden. Sein Handeln wirkt weit über sein Land hinaus. Der IS, der internationale Dschihadismus, das Chaos im Nahen und Mittleren Osten und die Flüchtlingskrise: All diese Herausforderungen, mit denen der Westen konfrontiert ist, finden ihren Ursprung teilweise auch in Damaskus. Die Beziehungen zu Assad sind äusserst zwiespältig und riskant. Sie erfordern ein tieferes Verständnis in das syrische Drama. Wie ist der Westen darin verwickelt, wo tragen westliche Politik und Wirtschaft eine Mitverantwortung? Wie gelang es Assad, das Zögern der Politik ihm gegenüber gezielt zu seinen Gunsten zu nutzen ?

Baschar al-Assad entstammt einem Clan. Durch ihren Willen zur politischen Herrschaft haben die Assads es immer wieder geschafft, neue Allianzen zu schmieden. Mit dem einzigen Ziel: Assad will seine Herrschaft und die Macht seines Clans in Syrien aufrechterhalten. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht.

Der französische Filmemacher Antoine Vitkine nimmt auch die Beziehungen Assads zum Westen unter die Lupe – besonders jene zu Frankreich und den USA. Antoine Vitkine ist ein Kenner des Islam und der arabischen Welt. Unter anderem hat er für internationale Sender aus dem Irak-Krieg 2003 und dem Libyen-Krieg 2011 berichtet.

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