Der bittere Weg zum süssen Erfolg

Die Schweizer Schokolade blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Sie hat der Schweiz kulinarischen Weltruhm gebracht und wurde zum nationalen Mythos. Doch wie beschwerlich war der Aufstieg und wie behauptet sich das süsse Image heute auf dem globalen Markt? Spurensuche mit Kathrin Winzenried.

Ein Film von Christa Ulli

Begonnen hatte alles ganz bescheiden, z.B. im Bleniotal im Tessin. Die drückende Armut trieb die Männer Mitte des 18.Jahrhunderts weg in den Süden, in die Lombardei und ins Piemont. Dort erlernten sie das Handwerk der Cioccolatieri. Das arme Tal erlebte dann dank der Schokolade einen gewaltigen Aufschwung und prosperierte während Jahrzehnten. Moderatorin Kathrin Winzenried geht im Bleniotal der Frage nach, wie es dazu kam, dass um die Jahrhundertwende in der kleinen Gemeinde Dangio-Torre die mächtige Schokoladefabrik Cima Norma gegründet und 70 Jahre lang auf diesem abgelegenen Flecken Schokolade produziert wurde. Hunderte Menschen hatten in der Cima Norma ein Einkommen, und mit dem Schokoladeduft wehte bis 1968 endlich auch etwas Wohlstand durch das Bleniotal. Eine Geschichte der süssen Hoffnung und des bitteren Scheiterns.

Ein Chocolatier aus dem Bleniotal schaffte den Erfolg im Kanton St.Gallen: Giuseppe Maestrani. Sein Name ziert noch heute eine Schokolademarke, die seit 1852 hergestellt wird. In Flawil taucht Kathrin Winzenried in die Vergangenheit ein und befasst sich mit der abenteuerlichen Familien- und Firmenchronik der Maestranis.

Doch wie schaffte die Schweizer Schokoladeindustrie den Weg nach oben, was war ihr Erfolgsgeheimnis? Dieser Frage ist Katrin Winzenried immer wieder auf der Spur, etwa bei der Sichtung alter Zeitdokumente. Spannende und amüsante historische Werbefilme zeigen, weshalb für Schokolade immer intensiv Werbung gemacht wurde: weil man Schokolade eigentlich gar nicht braucht. Oder vielleicht doch?

Sicher ist: Innovation war in der Schokoladeindustrie immer gefragt, auch bei der Erfindung von Ragusa – eine der bekanntesten Schweizer Marken. Ragusa entstand aus einer Notsituation. Der 2. Weltkrieg tobte, Rohstoffe waren knapp, Kakaobohnen kaum mehr erhältlich. Camille Bloch wich in diesen bitteren Zeiten auf andere Rohstoffe aus: Auf Nüsse aus der neutralen Türkei. Damit war Ragusa geboren. Im Gespräch mit Kathrin Winzenried erinnert sich Rolf Bloch an jene auch für die Schweizer Schokoladeproduktion harten Zeiten.

Heute werden die Fabrikationsbetriebe ständig modernisiert und Spezialisten entwickeln neue Kreationen. Im «Chocolate-Valley» von Nestlé, einem der grössten Schweizer Schokoladeproduzenten, beobachtet Kathrin Winzenried, wie neue Produkte kreiert werden, die den Weltmarkt erobern sollen. Der einzigartige Ruf der Schweizer Schokolade muss verteidigt werden, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Wiederholung vom 5.5.2011