Nichts ist vergeben

  • Mittwoch, 5. April 2017, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 5. April 2017, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 6. April 2017, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Montag, 10. April 2017, 11:15 Uhr, SRF 1
Video «Nichts ist vergeben» abspielen
Video noch 1 Tag verfügbar Video noch 8 Tage verfügbar Video noch 1 Stunde verfügbar Video noch 195 Stunden verfügbar Video nicht mehr verfügbar

Geplant war es ganz anders: Die Filmautoren Vincent Coen und Guillaume Vandenberghe wollten einen Film über Zineb El Rhazoui drehen – eine marokkanische Atheistin und Aktivistin, die sich mit der Unterdrückung der Frauen im Namen der Religion befasst hat.

Ein Film von Vincent Coen und Guillaume Vandenberghe

Während der Dreharbeiten nahm die Geschichte eine unerwartete Wende: Die private Geschichte der jungen Frau war plötzlich mit den Anschlägen in Paris verbunden und erhielt damit eine ganz neue Dimension.

Zineb El Rhazoui ist in einer Welt aufgewachsen, in der die Unterwerfung der Frau normal ist. Auch Gewalt gegen Frauen. Zineb El Rhazoui führte – wie viele Marokannerinnen ihrer Generation – jahrelang ein Doppelleben: Ihr Privatleben und jenes, in dem sie das gesellschaftlich erwünschte Bild aufrechterhalten muss. Bis sie einen persönlichen Wandel vollzog und begann, sich öffentlich politisch zu engagieren.

Sie wurde eine Wortführerin des Aufbegehrens gegen die religiösen und politischen Machthaber Marokkos. Als der arabische Frühling zum Herbst und dann zum Winter mutierte, musste sie um ihr Leben fürchten und flüchtete nach Frankreich. Aber ausgerechnet in der vermeintlichen Freiheit geriet sie ins Visier des islamistischen Terrors.

In Paris findet Zineb Arbeit bei der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo». Zum ersten Mal in ihrem Leben kann sie frei arbeiten, ohne Angst vor der Zensur. Die Redaktion von «Charlie Hebdo» wird zu ihrer neuen Familie, und mit Eifer stürzt sie sich in die Arbeit an einem Buch über den Propheten Mohammed.

Aber der 7. Januar 2015 ändert alles. Islamistische Attentäter ermorden ihre Kollegen und Freunde. Zineb selber entkommt – sie ist nicht in der Redaktion.

Die Folgen sind dramatisch – auch für Zineb El Rhazoui. Doch sie verstummt nicht. Ihre anhaltende Kritik am radikalen Islamismus bringt sie jedoch weiterhin in Gefahr, sie wird zu einer der bestbewachten Personen Frankreichs. Noch heute lebt sie unter Polizeischutz.

«Tout est pardonné» – alles ist vergeben, titelten die überlebenden Macher von Charlie Hebdo in ihrer ersten Ausgabe nach dem Attentat.

«Rien n'est pardonné», nichts ist vergeben, nennen die belgischen Filmautoren ihren vorliegenden Film.

Artikel zum Thema