Spazzacamini - die Kaminfeger - Kindersklaven aus dem Tessin

Im 19. und noch bis Mitte 20. Jahrhundert, verdingten mausarme Tessiner Familien ihre kleinen Buben für ein Trinkgeld nach Norditalien. Dort mussten die armen Kreaturen als «lebende Besen» Kamine putzen.

Spazzacamino mit seinem Kaminfegermeister, Ende 19. Jh.
Bildlegende: Spazzacamino mit seinem Kaminfegermeister, Ende 19. Jh. Wikipedia, Autor: unbekannt, Quelle: Museo Sonogno

Die 8- bis 12-jährigen Buben waren von den Padroni, den Kaminfegern, deshalb begehrt, weil sie klein und schmal waren und deshalb die engen Kamine hochklettern und putzen konnten. Waren sie oben angelangt, mussten sie «Spazzacamini» rufen, um zu beweisen, dass sie tatsächlich die dunklen, stickigen Kamine hochgeklettert waren.

Die Arbeitsbedingungen waren katastrophal. Zu Essen hatten sie oft nichts und mussten um ein Stück Brot betteln gehen. Schlafen mussten sie in Ställen. Ihr Vedienst war mickrig.

Verdingt wurden die Buben im Winter, damit am Familientisch zu Hause in den Tessiner Tälern ein Maul weniger zu stopfen war. Damals herrschte im Tessin teilweise bittere Armut und in den Wintermonaten Hunger. Viele Kinder kamen vom Verzascatal, vom Centovalli und auch aus dem italienischen Val Vigezzo, der Verlängerung des Centovalli.

Jedes Jahr im Herbst treffen sich im Val Vigezzo Kaminfeger aus der ganzen Welt; im Andenken an die Kaminfeger-Kindersklaven.

Im «Doppelpunkt» kommen ehemalige Kaminfegerkinder zu Wort; alte Männer, die ihre Erinnerung an ihre schlimme Kindheit bis heute im Gedächtnis bewahrt haben.

Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Alexander Grass und Jürg Oehninger