Geboren am 21. September 1946 – Moritz Leuenberger

Ein gemeinsames Geburtsdatum: drei biografische Zeitreisen durch die Schweiz, vom ersten Friedensjahr nach dem Krieg durch bewegte Jahrzehnte zum Jetzt. Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger erzählt eindrücklich vom Aufwachsen in einer moralisch rigiden Familie.

Im Monat September werden 1946 in der Schweiz 6881 Kinder geboren. Wie viele davon exakt am 21. September, das wird in der Statistik damals noch nicht erfasst. Fest steht: Eines davon heisst Moritz. Kein modischer Name damals, dieser Bubenname wird 1946 nur gerade zwölf Mal vergeben.

In «Geboren am…» schaut Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, einer der facettenreichsten Politiker des Landes, zurück auf sein Leben und auf eine Kindheit in einem religiösen Elternhaus. Der Vater ist Theologe und ein begnadeter Erzähler von Geschichten, die er vor seinen Kindern humorvoll und sehr theatralisch darzustellen weiss. Leuenberger zeigt auch in der Politik immer wieder komödiantisches Talent. Es dürfte eine Hommage ans Elternhaus sein, als er seinen Abschied als Bundesrat mit den Worten beginnt: «Wir treten auf. Wir spielen. Wir treten ab.»

Margrit Roth, auch sie am 21. September 1946 geboren, wird streng erzogen. Schwarze Pädagogik ist zuhause angesagt. Für ihre Mutter sind es normale Disziplinierungsmassnahmen, wenn sie die Kinder hart bestraft, ihnen zum Beispiel den Mund mit Seife und Bürste auswäscht, wenn sie unziemliche Wörter gebrauchen. Ein liebevoller Umgang mit Kindern wird zum Lebensthema von Margrit Roth. Das beginnt schon beim Stillen, das in den 70er-Jahren tabuisiert war. Sie wird Stillberaterin und unterstützt Frauen in Selbsthilfegruppen rund ums Muttersein.

Am 21. September 1946 findet erstmals nach vielen Jahren wieder ein Unspunnenfest statt. Roland Seilers Mutter verfolgt nachmittags die Tänze, läuft zu Fuss 2.5 km nach Hause, dann setzen die Wehen ein. Roland wächst in materiell engen Verhältnissen auf, im Sommer wird die Wohnung an Fremde vermietet, als Zusatzverdienst. Die Eltern schlafen dann im Kinderzimmer, die Kinder ziehen auf den Dachboden. Roland macht in der Folge Karriere, setzt sich ein für Konsumenten, Mieter, Staatsangestellte und bringt es zum höchsten Berner – als Präsident des Grossen Rates des Kantons Bern.

In «Geboren am…» schildern drei Schweizer Persönlichkeiten, wie unterschiedlich farbig, glamourös, abenteuerlich, aber auch hart ein Leben sein kann, das am genau gleichen Tag beginnt, diesmal am 21. September 1946.

Geboren am 21. September 1946

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