Die Protagonisten Ursula Richenberger – Leiterin Hafenmuseum Hamburg

Ursula Richenberger kam bereits als Kind aus der Schweiz nach Norddeutschland. Jetzt leitet sie als Direktorin das Hafenmuseum und ist in dieser Funktion Herrin über ein riesiges Areal mitten im Industriehafen.

Ursula Richenberger

Bildlegende: Hier gelten eigene Gesetze – Ursula Richenberger vor den grossen Motoren im Hafenmuseum Hamburg SRF

So unterschiedlich die Lebenswelten des Hamburger Hafens sind, so unfassbar ist der maritime Kosmos in seiner ganzen Komplexität. «Der Hafen hat seine eigenen Gesetze», lautet einer der Lieblingssätze von Ursula Richenberger, der Leiterin des Hafenmuseums – und genauso ist es.

Ursula Richenberger

Bildlegende: «Ein Geruch von Rost, Diesel und Männerschweiss» – Ursula Richenberger liebt ihren Arbeitsplatz SRF

Soweit sich das «Tor zur Welt» nach aussen öffnet, so verschlossen sind die Türen, hinter denen die voll technisierten Container-Terminals für die nötigen Umsätze sorgen. Die Schweizerin lebt in Hamburg, seit sie als neunjährige hierhergezogen ist. Im Hafen ist sie eine der wenigen Frauen. Ursula Richenberger kann uns erklären, was sich in der Container-Schifffahrt verändert hat. Einige der alten, schwermetallenen Transport-Ungeheuer, die draussen auf dem Museumsgelände stehen, sind sogar noch funktionstüchtig. Aber die Maschinen müssen gewartet werden, «der Schatz des Museums sind die kompetenten Hafensenioren und Ehrenamtlichen», sagt die engagierte 47-Jährige, die täglich vom Wissensschatz der ehemaligen Hafenarbeiter lernt.

Auch sonst ist die Leitung des Hafenmuseums kein typischer Bürojob. «Wenn Hochwasser droht, müssen alle verfügbaren Kräfte raus und mit anpacken», erzählt Ursula Richenberger, «dann müssen wir unseren grossen Dampfkran neu festleinen, damit er nicht aus dem Wasser kommt, über die Kaimauer geht und aufs Land schlägt.»

Ehemalige Schiffsschraubenfabrik in Hamburg

Bildlegende: Die ehemalige Schiffsschraubenfabrik ist heute Kultur- und Gewerbezentrum. Privat

Wie ich nach Hamburg kam ...

Das war 1998 aus beruflichen Gründen. Nach meinem Studium der Kulturwissenschaften hat mich ein Job ins Altonaer Museum geführt. Die Stadt kenne ich von früher. Meine deutsche Mutter hat dort lange Jahre am Bernhard-Nocht-Institut gearbeitet und bereits zu meinen Kindertagen in der Schweiz immer von dieser Stadt geschwärmt. Das ist sicherlich mit ein Grund, warum ich in dieser Stadt nach einem Job gesucht habe.

Was mich am Hamburger Hafen fasziniert ...

Der Lärm und die Gerüche. Der Hafen ist für mich zuerst ein sinnliches Erlebnis, aber dann natürlich noch viel mehr. Denn am Hamburger Hafen fasziniert mich vor allem das unglaublich komplexe Räderwerk, das nahezu reibungslos funktioniert und die unvorstellbare Dimension von 8 Millionen Standardcontainern.

Es ist eine Arbeitswelt, die extrem fordert und trotz Digitalisierung und Automatisierung den denkenden Menschen braucht. Der Hafen ist nicht eine Firma oder nur eine Terminalanlage an der Wasserkante, sondern ein komplexes Logistikgebilde mit viel Hinterland, das auch den Zoll, Versicherungswesen, Werften oder Schienenverkehr mit einschliesst.

Mein Liebliengsplatz am Hafen ...

Mein Lieblingsplatz ist ein ruhiger, versteckter Ort auf Entenwerder an der Elbe. Er ist nicht mitten im Hafen, sondern zeigt, wie der Hafen in die Stadt hinein wirkt. An Entenwerder fahren die Binnenschiffe vorbei, die riesigen Containerfrachter und Passagierschiffe bleiben aussen vor, es gibt viel Grün und Industrieromantik sowie das schwimmende Cafe «Entenwerder 1» auf einem Ponton.

Der Blick richtet sich auf das andere Elbufer gegenüber, auf die Elbinsel Kaltehofe, das Billesperrwerk und eine Kakaofabrik. Das macht für mich auch den Hafen aus: die Weiterverarbeitung von Waren wie Kakao, Kaffee oder Öl, Industriekomplexe sowie eine mächtige Infrastruktur, die durch Brücken, Sperrwerke oder Schleusen gekennzeichnet ist.