«Unterwerfung» von Michel Houellebecq 3/3

«Unterwerfung» ist radikale «Social Fiction». Radikal, weil nichts weniger als der Untergang unserer libertär-kapitalistischen Konsumgesellschaft im Mittelpunkt steht. Der Roman zeichnet sich nicht durch eine vermeintliche Islamophobie aus, sondern hält dem europäischen Mittelstand den Spiegel vor.

Michel Houellebecq raucht.
Bildlegende: Er hält dem europäischen Mittelstand den Spiegel vor: Michel Houellebecq. Keystone

Frankreich im Jahr 2022: Die Partei der «Muslimbrüder» entscheidet unter der Führung des charismatischen Ben Abbes die Stichwahl um die französische Präsidentschaft gegen die rechtsnationalen «Identitären» unter Marine Le Pen für sich. Um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, haben die Liberalen, die Konservativen und die Sozialisten den islamischen Kandidaten unterstützt. Ein schleichender aber gleichwohl radikaler Gesellschaftswandel ist die Folge.

Im Zentrum der Geschichte steht François – Mitte vierzig und nach seinen libertären Ausschweifungen gezeichnet vom «Ennui». Als Literaturprofessor an der Sorbonne ist sein Spezialgebiet der Schriftsteller Joris-Karl Huysmans, ein Exponent der französischen Décadence-Literatur des späten 19. Jahrhunderts. Fand Huysmans Leben Sinn und Rettung im ästhetischen Katholizismus, so willigt auch François ein in die Herrschaftsform einer religiös motivierten Domestizierung, die sich dieses Mal Islam nennt und in wörtlicher Übersetzung «Unterwerfung» bedeutet. Er arrangiert sich (oder kollaboriert) am Ende mit den Annehmlichkeiten der neuen, demokratisch gewählten islamischen Regierung.

«Tatsächlich ist der Roman ja keine Abrechnung mit dem Islam, sondern eine Abrechnung mit einem westlichem Europa, dem die Ideale abhandengekommen sind.» (L. Koppelmann)

Mit: Samuel Weiss (François), Wolfram Koch (Joris-Karl Huysmans), Christian Redl (Robert Rediger), Johannes Silberschneider (Alain Tanneur), Imogen Kogge (Marie-Françoise Tanneur), Johann von Bülow (Godefroy Lempereur), Martin Rentzsch (Jean-François Loiseleur), Julia Riedler (Myriam), Anne Lessmeister (Nadia/Frau im Bürgermeisteramt von Nevers), Tina Wilhelm (Babeth/Hôtelière), Doris Wolters (Sylvia/Bankangestellte), Thomas Stephan (David Pujadas), Michael Matting (Jean-François Cope/Radio- und Fernsehkommentator), Thomas Stephan (Radio- und Fernsehkommentator), Christian Susanka (Radio- und Fernsehkommentator), Manuel Harder (Daniel Da Silva/Lacoue, Wachmann/Butler im Hause Rediger), Hedi Kriegeskotte (Marine Le Pen), Wolfgang Michalek (Mohammed Ben Abbes), Moritz Brendel (Manuel Valls/Dom Jean-Pierre Longeat), Rosi Knoden (Tickerstimme)

Aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek - Musik: Rainer Römer - Bearbeitung und Regie: Leonhard Koppelmann - Produktion: SWR 2015 - Dauer Teil 1: 54', Teil 2: 52', Teil 3: 63'

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Redaktion: Susanne Janson