Geschichte aus dem Giftschrank: Verbieten oder zeigen?

  • Freitag, 1. Juli 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 1. Juli 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 1. Juli 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

In Stein gemeisselte Diktatoren, aber vom Sockel gestürzt oder der «Struwwelpeter», der auf die schwarze Liste kommt – manch ein Kulturgut verliert im Lauf der Geschichte seine Legitimation und wird von der folgenden Generation im Giftschrank versorgt – Kontext geht in drei Ländern auf Spurensuche.

Kulturelles Erbe ist oft ideologisch belastet. Kontext folgt in drei Ländern den Spuren eines historischen Kulturguts, über das heute debattiert wird:

Da sind die Wandbilder in den Strassen von Paris, mit denen die Grande Nation an ihre koloniale Vergangenheit erinnert. Da sind die Spielfilme aus dem Nazi-Kino, die Deutschland bis heute unter dem Deckel hält. Und da ist die lange Geschichte des bisher vergeblichen Versuchs, eine Bergspitze umzubenennen, die in Verruf gekommen ist: Das Agassiz-Horn im Berner Oberland, in dem kolonialistische und nationalsozialistisches Gedankengut gipfeln.

Beiträge

  • Wie geht Frankreich mit seiner kolonialen Vergangenheit um? Was ist Stand der Debatte?

    Sichtbar unsichtbar: Zeugnisse der Kolonialzeit in Paris

    An der hübschen Place Contrescarpe, mitten im Quartier Latin, prangt an einem Haus ein Wandgemälde. Zu sehen ist ein junger Schwarzer in Livree, der eine sitzende, elegante weisse Dame bedient. In goldenen Lettern steht der Name von Haus und Bild: «Au nègre joyeux».

    Wer eine erklärende Tafel sucht, sucht vergebens.

    Wie geht Frankreich mit problematischen Zeugen seiner kolonialen Vergangenheit in der Öffentlichkeit um? Gibt es überhaupt eine Debatte darüber? Eine Spurensuche in Paris.

    Brigitte Häring

  • Das Agassizhorn ist nach dem Gletscherforscher und Rassentheoretiker Louis Agassiz benannt.

    Weisser Gipfel oder braunes Horn?

    Der Historiker und Alpinist Hans Fässler macht sich seit Jahren für die Umbenennung eines Alpengipfels im Berner Oberland stark. Er stösst sich daran, dass das Agassizhorn nach dem Gletscherforscher und Rassentheoretiker Louis Agassiz benannt ist.

    Die Debatte um das politisch unkorrekte Horn geht in eine neue Runde: Louis Agassiz soll die Ehrenmitgliedschaft im Schweizer Alpenclub abgesprochen werden.

    Sabine Bitter

  • Nicht nur Leni Riefenstahls Filme dürfe nicht mehr gezeigt werden. Insgesammt 44 Filme aus der NS-Zeit dürfen in Deutschland nicht gezeigt werden.

    Brandgefährlich: Stoff aus den Nazi-Kino

    Im Lager des Deutschen Filmarchivs in Berlin-Hoppegarten liegen fünf Tonnen Sprengstoff: Geschichten und Geschichte, auf Nitrozellulose gebannt.

    Zum filmhistorischen Erbe gehören nicht nur die kostbaren Schätze der Stummfilmzeit, sondern auch die Spielfilme aus der nationalsozialistischen Produktion in Babelsberg. Dreihundert Filme wurden am Kriegsende von den Alliierten beschlagnahmt und verboten. Noch heute dürfen 44 dieser Filme im deutschen Kinobetrieb nicht gezeigt werden.

    Sabine Bitter

Autor/in: Brigitte Häring und Sabine Bitter, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Michael Sennhauser