Was leisten Verschwörungstheorien?

  • Montag, 20. März 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 20. März 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 20. März 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Verschwörungstheorien gehören zum sozialen Gefüge wie Märchen, Legenden und Mythen. Sie ordnen die Welt und festigen Weltbilder. Kontext porträtiert Verschwörungsaktivisten und eine Aussteigerin und fragt nach Dramaturgie und Dynamik der meist oppositionell und alternativ konstruierten Theorien.

Wer sich vor dem Chaos fürchtet, wünscht sich eine ordnende Kraft. Und wenn sich Dinge nicht erklären lassen, ist die Vorstellung tröstlich, dass jemand einen Plan hat. Aber Verschwörungstheorien gehören auch zum politischen Instrumentarium, sie helfen dabei, Gegner greifbar zu machen.

Wer sind die Menschen, die sich aktiv um «Gegeninformation» oder alternative Aufklärung bemühen? Was treibt sie an und um? Drei sehr unterschiedliche Treffen mit aktiven Protagonisten geben einen Eindruck.

Verschwörungstheorien unterstellen nicht nur eine Absicht, sie sind meist auch von einer getrieben. Dazu brauchen sie eine Dramaturgie, aktive Protagonisten und ein Publikum. Wie die Elemente zusammenspielen, darüber redet Michael Senhauser mit Medienwissenschafterin Ute Holl.

Beiträge

  • Grosse Skepsis unter den Verschwörungstheoretikern gilt auch gegenüber der Pharmaindustrie.

    Klaus Schreiner und «Klar-Sehen-TV»

    Der Innsbrucker Klaus Schreiner hält sich NICHT für einen Verschwörungstheoretiker. Er sieht sich als kritischen Beobachter der Zeitläufe, als einen, der sich von den sogenannten «Mainstream-Medien» nicht einlullen lässt.

    Aus diesem Grund hat Schreiner seinen eigenen Fernseh-Kanal gegründet: im Internet natürlich. Günter Kaindlstorfer hat ihn im improvisierten TV-Studio in Innsbruck besucht.

    Günter Kaindlstorfer

  • Andreas Popp kann sich durch sein Charisma gut verkaufen.

    Andreas Popp und Eva Herman

    Andreas Popp bezeichnet sich als Makro-Ökonom, seine Gegner halten ihn für einen Verschwörungstheoretiker. Tatsache ist: Andreas Popp ist einer der Superstars der Szene, ein charismatischer Redner, der sich vor allem als Kritiker des Weltfinanzsystems versteht.

    Der 56-Jährige betreibt die sogenannte «Wissensmanufaktur». In Büchern, Vorträgen und Onlineauftritten bringt er seine Thesen an den Mann und an die Frau. Günter Kaindlstorfer hat Andreas Popp zusammen mit dessen Lebensgefährtin, der ehemaligen ARD-«Tagesschau»-Sprecherin Eva Herman, in Hamburg getroffen.

    Günter Kaindlstorfer

  • Der Anschlag vom 11. September und die folgenden Verschwörungstheorien bedeuten für Stephanie Wittschier den Einstieg in die Szene.

    Die Aussteigerin

    Verschwörungstheorien können süchtig machen. Immer wieder schaffen aber auch Verschwörungstheorien-Junkies den Ausstieg aus der Szene. Stephanie Wittschier ist jemand, dem das gelungen ist.

    Jahrelang hat sich die junge Frau in einschlägigen Internetforen umgetan, sie hat die verrücktesten Theorien geglaubt, hat unter bizarren Ängsten gelitten und in den schlimmsten Phasen ihrer Sucht auch mit dem Gedanken an Selbstmord gespielt. Eine Phase ihres Lebens, an die Stephanie Wittschier heute mit Grausen zurückdenkt. Günter Kaindlstorfer hat Stephanie Wittschier via «Skype» getroffen.

    Günter Kaindlstorfer

  • Verschwörungstheorien vereinfachen die Fülle an Daten, die uns die Medien liefern.

    Was leisten Verschwörungstheorien?

    Wer sich vor dem Chaos fürchtet, wünscht sich eine ordnende Kraft. Und wenn sich Dinge nicht erklären lassen, ist die Vorstellung tröstlich, dass jemand einen Plan hat.

    Michael Sennhauser im Gespräch mit Medienwissenschaftlerin Ute Holl über Dramaturgie, Dynamik und Widerstandskraft von Verschwörungstheorien.

    Michael Sennhauser

Autor/in: Michael Sennhauser, Günter Kaindlstorfer, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Maya Brändli