«Der verhinderte Schauspieler» von Arnold Kübler 4/8

Das Theater hat den passionierten Schauspieler Drahtzaun enttäuscht. Pure Geltungssucht, stumpfes Anbiedern ans faule Publikum musste er dort kennenlernen. Er flüchtet in die schöne Heimat, ins «verhasste Land Helvetien». Und stösst sich jetzt erst recht am «ungepflegten Deutsch der Hiesigen».

Bankenkrise 1931 in Deutschland: Menschen stehen Schlange vor einer Berliner Bank.
Bildlegende: Bankenkrise 1931 in Deutschland: Menschen stehen Schlange vor einer Berliner Bank. Keystone

Vom väterlichen Hof nach Zürich, von Zürich nach Örlewitz, von Örlewitz nach Dresden, von Dresden nach Berlin der Weg zum reinen Bühnendeutsch ist weit für Raben Drahtzaun. Auf der hauptstädtischen Bühne ist er zwar gelandet, wurde er sogar bejubelt. Doch was hat seine Clownsnummer mit seinem Freund Lukar mit reiner Dichtersprache zu tun? Drahtzaun musste am Theater kündigen es ging nicht anders - und flieht zurück in die verhasste Heimat. Mit seiner nun fremden Zunge hat er hier aber nichts mehr verloren. Wieder zurück im Land der Dichter und Denker hat der Schauspieler zwar keine Anstellung mehr, seine harten Franken, die er von daheim mitbringt, sind jedoch im Deutschen Reich zur Zeit der grossen Krise hochwillkommen. Mit ihrer Hilfe kann er den Weg zum vollkommen gesprochenen Deutsch zu Ende gehen, so Gott will.

Sprecher: Ueli Jäggi - Lesefassung und Regie: Mark Ginzler - Produktion: SRF 2013 - Dauer: 42'

Redaktion: Mark Ginzler