Warum wir reisekrank werden

Auto, Schiff, Zug oder Flugzeug – alle Transportmittel, die uns in die Ferien bringen, können den Start in die Ferien mit einer «Reisekrankheit» gehörig vermiesen. SRF1-Gesundheitsredaktorin Regula Zehnder sagt, warum wir überhaupt reisekrank werden und gibt Tipps für Betroffene.

Blick nach vorne im Auto.
Bildlegende: Blick nach vorne: Im Auto sollte man nicht lesen oder am Handy spielen. Colourbox

Der Mensch ist von der Konstitution her auf den Fussmarsch eingestellt. Seit er sich nicht mehr ausschliesslich zu Fuss fortbewegt, wird er reisekrank. Auch Eroberer und grosse Seefahrer haben gelitten. Der englische Admiral und Seefahrer Lord Nelson war seekrank und Lawrence von Arabien schüttelte es beim Wüstenritt auf dem Kamel so sehr, dass er reisekrank wurde.

Warum wir reisekrank werden

Sitzt man zum Beispiel im Zug oder im Auto, melden die Muskeln dem Hirn Stillstand. Klar, man sitzt und bewegt sich nicht. Auch die Augen melden, dass man sitzt – also Stillstand. Fährt das Auto Kurven oder neigt sich der Zug, so bekommt das Gleichgewichtsorgan im Gehirn die Meldung «Bewegung». Sitzen und bewegen zugleich, das kann der Körper schlecht verarbeiten und reagiert wie bei einer Vergiftung: Mit Übelkeit, Schwindel und Erbrechen.

Tipps für Betroffene

Reiseübelkeit lässt sich nicht heilen, aber es gibt aber ein paar Tipps, mit denen sich die Reisekrankheit unter Umständen in den Griff kriegen lässt. Alle Tipps haben auch ein bisschen einen Placebo-Effekt:

Allgemein

  • Ein Stückchen Ingwer kauen.
  • Reisekaugummis bei den ersten Anzeichen von Übelkeit nehmen.
  • Allenfalls hilft ein Akupressurarmband.
  • An Zitronenscheiben lutschen.

Auto

  • Wer hinten sitzt reagiert empfindlicher. Nicht lesen. Nicht in den Laptop oder aufs Tablet schauen
  • Am besten selber fahren.
  • Einen Punkt in Fahrtrichtung fixieren: Einen Berg oder den Horizont. Funktioniert im Wald, bei Nebel und nachts nicht.
  • Statt über Land zu kurven, besser über die Autobahn fahren. Letztere hat regelmässig weniger Kurven.
  • Auto gut lüften. Frische Luft hilft oft.

Bus

  • Wer unter Reiseübelkeit leidet, sollte in Fahrtrichtung sitzen.
  • Ideal: Neben dem Chauffeur Platz nehmen. So sieht man, was auf der Strasse passiert, ob eine Kurve kommt oder ob er abbremst (gilt auch beim Auto).

Schiff

  • Nach Möglichkeit an Deck verweilen. Einen Punkt am Horizont oder an der Küste fixieren.
  • Kleine Boote schaukeln mehr als grosse.
  • In der Schiffsmitte ist das Schiff am stabilsten und damit am ruhigsten.
  • Bei hohem Wellengang: Geht das Schiff hoch, ausatmen, geht es runter, einatmen (Zum Merken: Einatmen, da geht die Luft in den Körper, also das Schiff runter, beim Ausatmen, atmet man in die Luft, eben dann wenn das Schiff hochgeht)

Zug

  • In Fahrtrichtung sitzen. Sitzen bleiben und nicht herumlaufen.
  • Augen zu und Kopf gegen die Kopfstütze drücken.

Flugzeug

  • Sitzplatz auf Höhe der Tragflächen wählen, dort ist das Flugzeug am stabilsten.
  • Ablenkung hilft: Essen, aus dem Fenster fotografieren (Handy im Flugmodus).

Moderation: Dani Fohrler, Redaktion: Regula Zehnder