Eine literarische Bärnerplatte

Die Berner Mundart-Literatur hat eine lange Tradition. Alle paar Wochen trifft eine neue Publikation aus dem Bernbiet auf der Schnabelweid-Redaktion ein. Eine Bärnerplatte als Übersicht zwischen Rippli, Gnagi und Saucisson.

Berner Platte
Bildlegende: Berner Platte Keystone / Sandstein

Gerhard Binggeli, Elisabeth Zurbrügg, Marie Rüegsegger, Ilse Vögeli, Werner Scheidegger und Paul Stalder sind nur einige von Dutzenden aktuellen Berner Mundartautorinnen und -autoren. Ihre neusten Geschichten und Bücher sind die gluschtigen Bestandteile der nächsten Bärnerplatte in der Schnabelweid.

Oft Erinnerungsliteratur

Gerhard Binggeli erinnert sich in seinen köstlichen Geschichten an diese oder jene Begebenheit in seiner Kindheit, oder an aussergewöhnliche Begegnungen auf seinen vielen Reisen. Mal sind seine Geschichten heiter, mal melancholisch, aber immer lebensbejahend und nie moralisierend.

Elisabeth Zurbrügg ist eine dieser Zuhörfrauen, die andere Leute kitzelt und dann deren Geschichten aufschreibt. Sie hat keine Berührungsängste vor banalen Alltagsthemen. Das Erlebnis zählt. In ihrem neusten Buch «Schöni Ouge» beschreibt sie auch Erlebnisse als Neupensionierte, die sich nicht mehr einmischen will.

Die Lebensgeschichte der inzwischen verstorbenen Emma Rohrbach (1936-2011), aufgezeichnet von Marie Rüegsegger, ist eine emotionale Achterbahn für den Leser: Der Vater Alkoholiker, die Mutter im Lungensanatorium, erlebt Emmeli den Alptraum, als Verdingkind auf einen fremden Hof zu kommen. Aber Emmeli findet den Rank.

Werner Scheidegger will seinen Kindern und Grosskindern zeigen, wie das Dorf Madiswil früher ausgesehen hat. Ausgehend von den Häusern an der Hauptstrasse, der Platte, werden Geschichten über die einstigen Bauern, Arbeiter und Dorforiginale erzählt. Das Buch liest sich wie eine unterhaltsame Dorfchronik.

«Grosse Dramen kleiner Leute» - So kann man die Geschichten von Paul Stalder zusammenfassen. Zum Beispiel die Liebe zweier Schüler, die erst im hohen Alter, nachdem beider Ehepartner tot sind, gelebt werden kann. Stalder erzählt unspektakulär und ausführlich die Lebensschicksale, so, als hätte er sie selber erlebt.

Ilse Vögeli (*1935) war Säuglings- und Kinderkrankenschwester. Sie hat ihren Beruf geliebt und schaut mit grosser Zufriedenheit zurück. In ihrem neuen Erzählband berichtet sie von ihren Erlebnissen in Paris und in Rom, wo sie jeweils für längere Zeit in einer Familie gearbeitet hat.

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Christian Schmutz, Susanne Sturzenegger, Markus Gasser