100 Jahre Erster Weltkrieg: Gedenkkonzert aus Sarajevo

Zeitversetzte Übertragung aus der Nationalbibliothek Sarajevo. Die Wiener Philharmoniker spielen ein Konzertprogramm, das den gewaltsamen Umbruch musikalisch nachzeichnet, der 1914 in Europa seinen Anfang nahm.

Die bosnische Nationalbibliothek Vijecnica.
Bildlegende: Das Gedenkkonzert der Wiener Philharmoniker wird aus der bosnischen Nationalbibliothek Vijecnica übertragen. SRF

Ganz in der Nähe der «Vijecnica», dem ehemaligen Rathaus und der heutigen Nationalbibliothek in Sarajevo, fielen die tödlichen Schüsse auf den österreich-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand, dessen Tod zum Auslöser des 1. Weltkriegs wurde und der Europa grundlegend veränderte. Dieser Zeitenwechsel lässt sich auch musikalisch nachzeichnen: Joseph Haydn komponierte noch wie selbstverständlich wunderbare Variationen über seine eigene «Kaiserhymne», während Franz Schubert schon eine grundlegende musikalische Unsicherheit in seine «Unvollendete» mit einkomponierte. Im «Marsch» von Alban Berg, kurz vor dem Weltkrieg entstanden, ist dann nicht nur die traditionelle Harmonik aus den Angeln gehoben, es scheint sich auch die militärische Katastrophe bereits abzuzeichnen. Maurice Ravel schliesslich hat die Katastrophe in Töne verpackt: Er führt die kaiserlich-wienerische Walzerseligkeit in «La Valse» in den zerstörerischen Abgrund.

Joseph Haydn: 2. Satz (Poco adagio. Cantabile) aus Streichquartett C-Dur Hob. III:77 («Kaiserquartett»)
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 8 in h-Moll D 759 «Unvollendete»
Alban Berg: Marsch aus «Drei Stücke für Orchester» op. 6
Johannes Brahms: Schicksalslied für Chor und Orchester op. 54
Maurice Ravel: La Valse, Poème choréographique

Opernchor des National Theaters Sarajewo
Wiener Philharmoniker
Leitung: Franz Welser-Möst

Redaktion: Norbert Graf