Die Winzer aus dem Heidiland

Zwischen Föhn, Neid und Moderne

Medium: DVD
Dauer: 60 Min.
Original: Schweizerdeutsch/Deutsch
Die Winzer aus dem Heidiland

«Wir können nicht einfach mit der Schweizer-Fahne winken und hoffen, dass sich unsere Weine von alleine verkaufen. Wir müssen parat sein und tolle Weine machen.» Das ist das Motto des Bündner Spitzenwinzers Daniel Gantenbei. Gerade im so genannten Heidiland, dem Landstrich zwischen Malans und Fläsch in der Bündner Herrschaft, spürt man die Aufbruchstimmung allenthalben. Schweizer Winzer müssen sich im Weltmarkt behaupten, aber nicht allen gelingt der Schritt in die Moderne gleich gut. Unstimmigkeiten und Spannungen sind deshalb vorprogrammiert.
Monatelang begleitete Autor Markus Matzner mit seiner Filmcrew verschiedene Winzer und Winzerinnen bei wichtigen Etappen des entstehenden 04er-Jahrgangs.

Es ist noch gar nicht lange her, da rümpfte der urbane Weinkenner von Welt nur die Nase, wenn er Schweizer Wein trinken sollte. Fiel das Wort «Pinot Noir» beziehungsweise «Blauburgunder», dann nahm er vollends Reissaus und liess sich nur noch mit einem argentinischen Malbec oder allenfalls einem sizilianischen Primitivo wieder beruhigen. Erstaunlicherweise hatten aber die Schweizer Winzer damals kaum Absatzprobleme: Ihre Weine fanden bei gewissen (älteren) Konsumenten gewohnheitsmässig viel Anklang, obschon sie qualitativ nicht auf einem internationalen Niveau mithalten konnten.

Heute sieht alles anders aus. Immer mehr Winzer strengen sich an, auf Qualität statt auf Quantität zu bauen, da sie sonst keine Zukunft mehr sehen. Folgerichtig finden immer mehr Schweizer (auch jene in der Stadt) zurück zu den Weinen aus ihrer Heimat. Und plötzlich, so munkeln bereits die ersten Trendscouts aus der Abteilung Weinjournalistik, wird ein künftiger Stern im Weinfirmament von Europa ausgemacht.

Wahrlich, die Schweiz hat in Sachen Wein vieles zu bieten. Nicht nur bei den Spezialitäten, die in jedem Landesteil spezifisch ausfallen und damit der dumpfen Gleichmacherei das Fürchten lehren, sondern auch bei den Weinen internationalen Zuschnitts. Ganz besonders beim Blauburgunder (Pinot noir) ist der allgemeine Qualitätssprung deutlich spürbar.

Ein Gebiet, das lange Zeit fast als Synonym für Blauburgunder in Form der berüchtigten Landweine galt, ist die Bündner Herrschaft - also der Landstrich zwischen Fläsch und Malans im Rheintal. Von der Topografie begünstigt und vom Föhn verwöhnt, haben sich auch da viele Winzer von alten Zöpfen verabschiedet und Neuland betreten, ohne gleich ihre Identität aufzugeben. Dieses Zeugnis will der Dokumentarfilm «Die Winzer aus dem Heidiland» abgeben und gleichzeitig aufzeigen, dass der Weg zwischen Tradition und Moderne manchmal steinig und beschwerlich ist. Denn nicht allen Selbstkelterern gelingt die Ausrichtung auf moderne Anforderungen gleich gut. Noch immer wird die «Tradition» häufig als Deckmantel für fehlende Innovation vorgeschoben. Fast automatisch entstehen deshalb Neid und Eifersucht, die dann und wann sogar in Missgunst umschlagen, wenn der Konkurrent bei einer Degustation besser abschneidet.
«Die ältesten Bündner sind der Föhn und der Neid», heisst ein alter Spruch, der zwar Patina angesetzt hat, aber durchaus noch gewisse Gültigkeit besitzt. Doch der Stein der Innovation ist ins Rollen gekommen, und er wird kaum von Kleinkrämerei und Eigenbrötelei abgebremst werden. Dennoch warnt Spitzenwinzer Daniel Gantenbein, dass heimisches Schaffen auch halten muss, was es verspricht. So werden sich über kurz oder lang also nur diejenigen Winzer durchsetzen können, die im Hochpreisland Schweiz auf hochqualitative Weine setzen. Nur sie werden die nötige Wertschöpfung für ihre Produkte rechtfertigen können.