Reporter Hintergrund

Tsunami - 1 Jahr danach

Medium: DVD mit 4 Sendungen
Dauer: 150 Min
Original: Deutsch
Reporter Hintergrund

Was geschah mit den Spendengeldern?
Der Tsunami, die Jahrhundertflutwelle, hat Ende letzten Jahres unsägliches Leid über die Länder des indischen Ozeans gebracht. Menschen verloren ihre Angehörigen, Familien ihr Wohnhaus, ganze Dörfer wurden von der grausamen Wucht der Flutwellen dem Erdboden gleich gemacht. Nichts war mehr wie zuvor.
In der Schweiz lief in jenen Tagen eine beispiellose Sammelaktion der «Glückskette» an. Bis heute kamen rund 226 Millionen Franken zusammen, die nun auf eine sinnvolle Verteilung warten. Doch was ist sinnvoll? Die Glückskette verteilt das Geld nicht einfach so, sondern arbeitet eng mit den nationalen Hilfswerken (und diese wiederum mit örtlichen) zusammen. Wer Geld für ein Projekt will, muss zeigen können, dass Hilfe nicht nur erste Verluste lindert, sondern ein echter Beitrag zur Nachhaltigkeit und zum selbstständigen Funktionieren, zum Beispiel einer Dorfgemeinschaft, ist.
Verschiedene Reporter waren unterwegs und schauten, wer auf welche Weise von der Hilfe profitiert. So zeigt Hans Peter Stalder an einem Caritas-Projekt den Wiederaufbau von Fischfarmen in Thailand. Menschen, die alles verloren haben, erhalten erneut eine ökonomische Grundlage.
Marianne Pletscher unterhielt sich in Sri Lanka mit vom Tsunami traumatisierten Kindern. Ein Terre-des-Hommes-Projekt bringt den Kleinsten professionelle Hilfe und verarbeitet mit ihnen das schreckliche Erlebnis.
Ulrich Tilgner berichtet, wie in Indonesien 18 Franken reichen, um einen Brunnen zu reinigen und darüber entscheiden, ob Menschen den Weg zurück in die Normalität finden können. Am Beispiel einer Brunnenreinigung zeigt er, wie effiziente Hilfe oftmals gar nicht so teuer sein muss.
Im Studio führt Stephan Klapproth durch die Sendung und unterhält sich mit Roland Jeanneret, dem «Mr. Glückskette», über die Probleme, die beim Verteilen von Spendengeldern immer wieder entstehen.
Tsunami - 1 Jahr danach in Thailand:
Hans Peter Stalder, erfahrener Reporter und einstiger Asien-Korrespondent des Schweizer Fernsehens, hat ein Jahr nach dem Tsunami Thailand besucht. Seine Reise beginnt in Khao Lak, im beschaulichen Ferienparadies, wo seit dem 26. Dezember 2004 nichts mehr ist wie vorher.
Mehr als 4'000 Personen wurden hier Opfer der gewaltigen Flutwelle, viele werden noch immer vermisst, darunter auch fünf Schweizer Staatsangehörige. Mühsam versucht sich die Tourismus-Industrie von der Katastrophe zu erholen. Hans Peter Stalder trifft bei Khao Lak auch Ratree, eine junge Frau, welcher der Tsunami die Tochter genommen hat, aber auch das Haus, und die sich jetzt einem übermächtigen Baukonsortium gegenüber sieht, das mit Mafia-ähnlichen Methoden die gesamte Dorfbevölkerung von ihrem einstigen Land vertreiben will und Ratree sogar an Leib und Leben bedroht.
Die nächste Etappe seiner Reise führt Hans Peter Stalder nach Phuket. Er zeigt nicht nur den Zustand der bekannten Ferieninsel heute, ein Jahr nach dem Tsunami, sondern rollt anhand des Beispiels einer alteingesessenen Chinesen-Familie die Entwicklung von Phuket auf. Früher wurde hier Zinn abgebaut. Als der Rohstoff erschöpft war, sattelten die führenden Chinesen-Clans auf den Tourismus um - mit grossem Erfolg. Der Tsunami hat diesen Boom zwar gebremst, aber für die kommende Saison sind die Einheimischen wieder optimistisch.
«Wir bauen drei Fischerdörfer wieder auf!» Dieses Zeichen von Unterstützung wollte die schweizerische Aussenministerin Micheline Calmy-Rey vor einem Jahr setzen. Aber das gut gemeinte Unterfangen erwies sich als äusserst schwierig. Die DEZA, die schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, sah sich im Verlauf des Jahres mit diversen Hürden konfrontiert. Nicht nur, dass die Besitzverhältnisse unglaublich kompliziert sind, auch hat sich inzwischen eine regelrechte Konkurrenzsituation unter den einzelnen Hilfsorganisationen entwickelt. Hans Peter Stalder zeigt im dritten Teil seiner Reportage, wie weit die Projekte um die Insel Kho Prathong fortgeschritten sind.
Tsunami - 1 Jahr danach in Sri Lanka:
Marianne Pletscher, die schon 1984 einen ersten Dokumentarfilm in Sri Lanka drehte und seither in regelmässigen Abständen über den Bürgerkrieg in diesem Land und die tamilischen Flüchtlinge in der Schweiz berichtet, hat drei vom Tsunami betroffene Gegenden bereist:
Im Südwesten traf sie einen Hoteldirektor, der versucht, sein total zerstörtes Hotel wieder aufzubauen und einen Fischer, der einem Schweizer Touristen des Leben gerettet hat und von ihm ein Fischerboot geschenkt bekam.
Im vom Bürgerkrieg zwischen Tamilen, Singhalesen und Muslims zerrissenen Osten des Landes war sie mit einer jungen Zweit-Generation-Tamilin aus der Schweiz unterwegs, die dort für drei Monate Freiwilligenarbeit leistete.
Anschliessend besuchte Marianne Pletscher eines der unzähligen provisorischen Dörfer, in denen immer noch die meisten der Tsunami-Opfer leben und vermutlich auch noch einige Jahre leben werden. Sie hat ein Ehepaar getroffen, das alle drei Kinder verloren hat und einen Mann, der jetzt für seine Kinder Vater und Mutter sein muss.
Im rein tamilischen Norden besuchte Marianne Pletscher eine Frau, die das Fernsehpublikum schon seit einem Jahr kennt: in den Ferien in der Schweiz erfuhr sie, dass sie beim Tsunami 40 Angehörige verloren hatte. Und jetzt? Im Leben von Selvaranjyta Sivabalasingham ist viel passiert seither. Sie lebt ihre Trauer immer noch intensiv und sie weiss, dass nur Rituale helfen, ein solches Schicksal zu überwinden. Und materiell hat sie auch ein bisschen Glück - ein Projekt der Glückskette wird ihr zu einem neuen Haus verhelfen.
Tsunami - 1 Jahr danach in Indonesien:
Tilgner beginnt seine eindrückliche Reportage in Banda Aceh, der Hauptstadt der Provinz Aceh, die vom Tsunami besonders heftig getroffen wurde - über 100'000 Menschen verloren ihr Leben in der Riesenwelle vom 26. Dezember des vergangenen Jahres. In Aceh traf die Katastrophe ein bereits arg gebeuteltes Gebiet - hier tobte nämlich seit bald 30 Jahren ein blutiger Bürgerkrieg. Aber der Tsunami hat ein kleines Wunder bewirkt: Ulrich Tilgner kann zeigen, wie die bis vor kurzem so militante Rebellen heute bereit sind, ihre Waffen von regierungstreuen Soldaten schleifen zu lassen, und er erklärt in seiner Reportage, warum der Kampf um die Spendengelder auf Sumatra Frieden gebracht hat.
In einem zweiten Teil berichtet Ulrich Tilgner von den Hilfsbestrebungen der Schweizer Umweltstiftung PanEco, die im Urwald von Sumatra eigentlich Orang Utans auswildert, aber nach der Tsunami-Katastrophe vor allem den Menschen Hilfe leisten musste.
Zum Schluss führte seine Reise Ulrich Tilgner auf die Insel Simeleu, die bereits vor fast 100 Jahren von einem gewaltigen Tsunami heimgesucht worden war. Hier berichtet eine heute 104-jährige Frau aus eigenem Erlebnis von der Riesenwelle und deshalb wird klar, warum 2004 fast die gesamte Inselbevölkerung überlebte, obwohl Simeleu praktisch auf dem Epizentrum des gewaltigen Seebebens liegt.