Vom Kuh sein

Was Kühe mit den Hörnern sagen

Medium: DVD
Dauer: 50 Min.
Original: Schweizerdeutsch/Deutsch
Produktion: 2011
Bildformat: 16:9
Vom Kuh sein

Eigentlich ist klar, was Kühe wollen - wenn man es nur wissen will. Wer grosse Waldrinder wie den asiatischen Gaur oder den europäischen Wisent studiert, hat auch schnell eine Vorstellung vom Verhalten und den natürlichen Bedürfnisse der hiesigen Hausrinder - denn auch sie stammen von einem wilden Waldrind ab, das vor rund 400 Jahren ausgestorben ist - vom Ur.
Rinder sind Herdentiere, die langjährige, stabile Gemeinschaften mit Kühen und ihren jeweiligen Kälbern entwickeln. Die Herden sind ständig in Bewegung, sodass sie die Vegetation nicht übernutzen und mit dem Kot auch ihre Parasiten stets hinter sich lassen. Die Hörner dienen nicht nur als wirksame Waffen gegen Feinde und Artgenossen, sie sind in dosiertem Einsatz auch ein wichtiges Kommunikationsmittel innerhalb der Herde - sogar auf Distanz, ohne jede Berührung.
Auf zur Tierfabrik? Heute werden bei der wirtschaftlichen Nutzung des Hausrindes oft viele grundlegende biologische Bedürfnisse der Tiere missachtet. «NETZ NATUR» nähert sich dem Naturell unserer Kühe und zeigt auf, wie sich in den letzten 20 Jahren die intensive Nutzung immer mehr von den natürlichen Bedürfnissen der Tiere entfernte: Die Leistungssteigerung bei Milch und Fleisch und die damit verbundenen Züchtungen und Haltungsformen vernachlässigen immer stärker das, was eine Kuh tatsächlich braucht: beim Körperbau, bei der Ernährung, bei der Zusammensetzung der Herden, bei der Aufzucht der Kälber, beim Kontakt mit den Menschen.
Auch die Schweiz bewegt sich immer mehr in Richtung einer Tierhaltung, die vielerorts im Ausland Standard ist: Tausende von Rindern für die Fleischmast oder Kühe für die Milchproduktion, die auf kleinstem Raum mit Hormonen und importiertem Kraftfutter skrupellos zur Höchstleistung getrimmt werden - die schweren Folgen für die Gesundheit der Tiere werden durch massiven Einsatz von Leistungsförderern und Medikamenten übertüncht.
Bauern ohne Alternative? Noch ist die Schweiz nicht ganz an diesem Punkt angelangt. Aber wenn die Politik die heimische Landwirtschaft für den internationalen Markt konkurrenzfähig machen will, ist dieser Weg vorgezeichnet. Viele Bauern sind darüber nicht erfreut - aber sie sehen keine andere Möglichkeit zu überleben: Wachstum oder Untergang heisst die Devise, was meist auf Kosten der Tiere geht, wie die Erfahrung zeigt. Doch muss man einfach hinnehmen, dass eine durchschnittliche Milchkuh heute im Alter von vier Jahren bereits wieder geschlachtet wird - knapp erwachsen und bevor sie ihre letzten Milchzähne gewechselt hat? Ist es unvermeidlich, dass viele Kälber getrennt von ihren Müttern so gehalten werden, dass sie in der Regel krank werden und deshalb rountinemässig mit Antibiotika gefüttert werden müssen?
Pioniere am Werk. Neben diesen scheinbaren, wirtschaftlichen Sachzwängen gibt es auch andere Trends im Land, die den Bedürfnissen der Kühe wieder besser gerecht werden. Mutige Pioniere orientieren sich mit neuen Produktionsformen von Milch und Fleisch am Wohl und Naturell ihrer Tiere, an der ökologischen Verträglichkeit ihrer Betriebe und an der Nachfrage im lokalen Markt: Sie setzen auf Qualität statt auf Quantität. Und vor allem auf eine nahe und intensive Beziehung zu ihren Tieren. Sie halten ihre Kühe in grossen, intelligent strukturierten Laufställen. Es sind dies tiergerechte Ansätze, die in vielen Bereichen noch in der Entwicklung stecken. Von den Interessensvertretern und Verbänden der kommerziellen Massenproduktion werden sie meist belächelt oder sogar bekämpft. Doch immer mehr zeigt sich durch die innovative Praxis, dass tiergerechte Nutzungsformen durchaus auch wirtschaftlich interessant sein können - wenn man sie nur sucht.
Die Reaktionen aus dem Publikum auf die Oktobersendung von «NETZ NATUR» mit dem Titel «Kuh-Schweiz?» haben klar gezeigt: Es gibt viele Konsumenten, die Milch und Fleisch von Tieren wünschen, denen es gut geht und auch bereit sind, für ehrliche Mehrleistung zugunsten der Tiere mehr zu bezahlen.