950 pensionierte Lehrerinnen und Lehrer haben von der bernischen Erziehungsdirektion Post erhalten. Der Aufruf ist klar: Sie sollen wieder unterrichten. «Wir wollen für das neue Schuljahr gewappnet sein», sagt Erwin Sommer, Vorsteher der Erziehungsdirektion. Schon jetzt zeichne sich ab, dass ab dem nächsten Schuljahr zu wenig Lehrkräfte vorhanden sind.

Die Erziehungsdirektion sucht pensionierte Lehrkräfte, die wieder ins Schulzimmer zurückkehren möchten – als Stellvertretung oder gar fix für ein Quartal oder länger. Gesucht sind auch Leute, welche eine Vollzeitstelle vorübergehend übernehmen. «Wir trauen das den pensionierten Lehrpersonen zu», sagt Erwin Sommer von der Erziehungsdirektion.

Erste Zusagen, aber auch Kritik

Der Brief wurde letzte Woche verschickt. Mehrere Lehrpersonen haben sich schon interessiert gemeldet. Einzelne reagierten aber nicht erfreut. «Diese Leute bemängeln die schlechten Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer», sagt Erwin Sommer. «Mit ihren Reaktionen geben sie zu verstehen, dass sie nicht zur Verfügung stehen.»

Aufruf kommt nicht bei allen gut an

Jürg Boss vertritt die pensionierten Lehrerinnen und Lehrer des Kantons. Ihn stört es nicht, wenn sie wieder arbeiten, schliesslich seien sie gut ausgebildet. Es könne aber nicht sein, dass sie wieder voll im Einsatz stünden. «Sie haben sich den Ruhestand verdient.» Jürg Boss findet den «Hilfeschrei» des Kantons Bern «fragwürdig».

Der Präsident der Pensioniertenvereinigung Bernischer Lehrkräfte moniert, der Kanton habe das Problem verschlafen. Auch beim Verband der Lehrpersonen Bildung Bern spricht man von «Pflästerlipolitik». «Das Problem wird mit den Pensionierten nicht gelöst», sagt Stefan Wittwer. Er fordert bessere Anstellungsbedingungen, um die Attraktivität des Berufs zu erhöhen.

Die Gründe für den Mangel

Für den Mangel an Lehrkräften gibt es verschiedene Gründe. Derzeit werden viele Lehrerinnen und Lehrer pensioniert. Zudem steigen die Schülerzahlen im Kanton Bern an. Und: Der Kanton erhöht wegen des neuen Lehrplans die Zahl der Lektionen. Wegen des Mangels wurden auch schon Studierende rekrutiert.