Die bernische Finanzdirektorin Beatrice Simon geht als Favoritin ins Rennen um den frei werdenden Berner Ständeratssitze. Das Aushängeschild der kantonalen BDP ist bei den Wählerinnen und Wählern beliebt. Simon erzielte bei den kantonalen Wahlen 2014 und 2018 das beste Resultat. Mit Beatrice Simon ist für die BDP das Risiko klein, ihren schweizweit einzigen Ständeratssitz zu verlieren, der bisher von Werner Luginbühl belegt wurde.

Noch nicht genug vom Politisieren im Ständerat hat der Bieler Hans Stöckli (SP). Seit Ende 2011 vertritt Stöckli den Kanton Bern im Ständerat. Der 67-Jährige möchte eine dritte Amtszeit anhängen. Wird Hans Stöckli wiedergewählt, winkt ihm 2020 das Ständeratspräsidium. Eine verlockende Aussicht.

Stöckli erhält aber Konkurrenz aus dem eigenen Lager. Die Grünen stellen mit Regula Rytz ihre prominente nationale Präsidentin für die Ständeratswahlen auf. Weil SP und Grüne den Ständeratswahlkampf gemeinsam bestreiten, sind Stöckli und Rytz gleichermassen Freund und Feind.

Rückenwind für Rytz?

Für die Wahl von Hans Stöckli spricht der Bisherigen-Bonus. Regula Rytz könnte ihm unter anderem gefährlich werden, weil die Wahlen am 20. Oktober auch im Zeichen der Frauen stehen. Mit «Helvetia ruft!» wurde eine eigene Frauen-Wahl-Kampagne lanciert, um den Frauenanteil im Ständerat und im Nationalrat zu erhöhen. Rytz könnte nicht nur vom Frauenbonus profitieren, sondern als Präsidentin der Grünen auch davon, dass Umweltthemen bei den Wahlen 2019 eine wichtige Rolle spielen.

Gegen Simon, Stöckli und Rytz werden die anderen Kandidierenden einen schweren Stand haben. Werner Salzmann, Nationalrat und Präsident der bernischen SVP, hat zwar die stärkste kantonale Partei im Rücken. Aber die SVP polarisiert, Salzmann wird kaum über die Mitte hinaus Stimmen holen. Auch FDP-Nationalrätin Christa Markwalder und die Nationalrätinnen Kathrin Bertschy (GLP) und Marianne Streiff (EVP) werden wohl nicht in den Ständerat gewählt.

Zweiter Wahlgang sehr wahrscheinlich

Die Wahrscheinlichkeit, dass im ersten Wahlgang am 20. Oktober bereits ein Kandidat oder eine Kandidatin das absolute Mehr – also die Hälfte der Stimmen plus eine Stimme – erreicht, ist aufgrund der Anzahl und der Qualität der Kandidierenden eher klein.

Schluss mit lustig wegen «Lex Moser»

Die Hürde für eine Wahl ist im Kanton Bern seit Anfang 2019 höher. Bei Majorzwahlen darf nur noch zu einem zweiten Wahlgang antreten, wer im ersten Wahlgang mindestens drei Prozent der gültigen Stimmen erreicht hat.

Mit dieser Hürde soll verhindert werden, dass chancenlose Aussenseiter einen zweiten Wahlgang erzwingen können. Grundsätzlich wird dadurch das Recht, an den Wahlen teilzunehmen, nicht beschnitten. Für Aussenseiter steht der erste Wahlgang immer noch offen.

Mit dieser Hürde reagierte der Kanton Bern auf die Erfahrungen bei den Ständeratswahlen 2015. Der Bieler Bruno Moser erzwang einen zweiten Wahlgang, obwohl er im ersten Wahlgang bloss 4000 Stimmen erzielte, rund ein Prozent. Zum Vergleich: Die beiden bisherigen Ständeräte erzielten damals je rund 150'000 Stimmen.

Diese 15 Bernerinnen und Berner wollen in den Ständerat

Alle Kandidierenden für einen Ständeratssitz des Kantons Bern in alphabetischer Reihenfolge:

  • Jorgo Ananiadis, Piraten
  • Kathrin Bertschy, GLP
  • Peter Eberhart, DU
  • Pascal Fouquet, Piraten
  • Florian Gerber, Pnos
  • Joe Grin, Die Modernokraten
  • Philipp Jutzi, JUP
  • Verena Lobsiger-Schmid, PUM
  • Christa Markwalder, FDP
  • Yannic Nuoffer, Pnos
  • Regula Rytz, Grüne
  • Werner Salzmann, SVP
  • Beatrice Simon, BDP
  • Hans Stöckli, SP (bisher)
  • Marianne Streiff, EVP