«Frauen werden in den Medien oft als Mütter abgebildet, als ‹Frau von› oder als ‹Mutter von›», sagt Kerstin Hasse vom Verein Medienfrauen Schweiz. «Männer werden als Fachexperten eingeladen.» In den Medien würden tradiierte Rollenklischees also immer noch zementiert statt aufgebrochen. Ein Problem für Kerstin Hasse.

Sie vernetzt und fördert Frauen in der Medienbranche und will erreichen, dass diverser über Frauen berichtet wird. Damit das geschieht, braucht es vor allem mehr Frauen im Journalismus.

Gerade dort, wo Infos verbreitet, Meinungen gemacht, Rollenbilder weitergetragen werden, gibt es wenig Frauen. Keystone / GAETAN BALLY

Vinzenz Wyss von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW hat die Gleichberechtigung im Schweizer Journalismus untersucht.

«Der Anteil der Frauen in der Schweiz ist mit 39 Prozent unter dem internationalen Durchschnitt», sagt er. «Vier von zehn Journalisten und Journalistinnen sind Frauen.»

Schieflage im Sport

Kaum überraschend: Im Sportjournalismus sind nur 5 Prozent der Medienschaffenden weiblich. Ein Wandel komme hier nur träge voran.

«Man macht eben im Sportressort Sportjournalismus der alten Art», erklärt Wyss, «und nach dem Gusto der alten Führungskulturen.»

Durchmischter sieht es in den Ressorts Politik, Nachrichten und Wirtschaft aus. Doch auch hier sind die Frauen mit rund 30 Prozent in der Minderheit.

Hartnäckige Strukturen

«Das hat nicht damit zu tun, dass sich Frauen nicht für Politik- oder Wirtschaftsjournalismus interessieren, sondern dass auch dort die Strukturen schwierig zu durchbrechen sind», sagt Kerstin Hasse von den Medienfrauen. «An Sitzungen werden sie weniger ernst genommen, man gibt ihnen nicht die grossen wichtigen Themen.»

Dass ausgerechnet in den Bereichen Politik und Wirtschaft die höheren Löhne gezahlt werden als in den Kultur- und Unterhaltungsredaktionen, wo der höchste Anteil der Medienleute weiblich ist, sei für Frauen deshalb doppelt nachteilig.

Was es braucht im Journalismus? Weibliche Vorbilder und eine systematische Frauenförderung in der Medienbranche. Keystone / GAETAN BALLY

Ein weiterer Grund für den geringeren Frauenanteil im Journalismus: Frauen ab 30 verlassen häufig die Medienbranche wieder.

Während die Männer aufsteigen, gehen Frauen auf dem Karriereweg nach oben verloren.

Beruf und Familie lasse sich in der Medienbranche nur schwer unter einen Hut bringen, sagt Hasse. Gleichstellung habe viel mit Familienpolitik zu tun. «Die OECD hat nachgerechnet: Wenn man die Kinder 100 Prozent in der Schweiz in die Kita gibt, blättert man die Hälfte seines Lohnes hin. In den meisten Familien macht heute die Frau die Abstriche bei der Karriere.»

Volkswirtschaftliches Desaster

Dadurch, dass Frauen mit besseren Voraussetzungen in den Beruf gestartet sind, dann aber aussteigen, ist das Ganze auch noch volkswirtschaftlich ein Desaster.

«Obwohl sie besser ausgebildet sind, haben wir in Führungspositionen viel weniger Frauen», sagt Wyss. «Da wird Potential nicht ausgeschöpft.»

Sowohl Wyss als auch Hasse kommen zum Schluss: Die Gleichberechtigung im Journalismus hat Nachholbedarf. Was es braucht, sind weibliche Vorbilder und eine systematische Frauenförderung in der Medienbranche.