Tiefere Kosten für grenzüberschreitende Geldüberweisungen und einfachere Zahlungsabläufe: Damit werben die Initianten von Libra. Libra könnte deshalb zur Konkurrenz für traditionellen Banken werden, falls sich die Währung durchsetzt.

Libra werde einen gesunden Druck auf die traditionelle Finanzbranche ausüben, ihre eigenen Initiativen auszubauen – mit digitalen Währungen und generell im Fintech-Bereich, also mit neuen Technologien im Finanzbereich, sagt John Hucker. Er ist Präsident der Schweizer Fintech Association, eine Nonprofit-Organisation, welche die Schweiz als internationalen Fintech-Standort bekannter machen will.

Schweizer Startups könnten profitieren

Libra wird auf der Blockchain-Technologie aufbauen, so wie beispielsweise auch Bitcoins. So sollen laut den Initianten mehr Menschen als heute Zugang zu Geld und unkomplizierten Zahlungssystemen haben. Libra soll ihren Sitz in Genf haben. Damit könnte sich Genf – nebst dem bereits breit etablierten Krypto-Valley rund um Zürich und Zug – als weiteren wichtigen Standort für digitale Währungen etablieren und so den Wettbewerb zwischen den Standorten fördern, sagt Hucker.

«  Ich denke, dass auch Schweizer Startups Libra in Zukunft selbst nutzen oder verwenden werden.  »
Christina Kehl
Swiss Finance Startups

Fintech-Startups in der Schweiz könnten von der digitalen Währung Libra profitieren, glaubt auch Christina Kehl, Geschäftsführerin des Fintech-Startup-Verbands Swiss Finance Startups. «Ich denke, dass auch Schweizer Startups Libra in Zukunft selbst nutzen oder verwenden werden.»

Facebook muss Überzeugungsarbeit leisten

Startups könnten mit Libra zusammenarbeiten. Zuerst müsse sich die Währung allerdings noch durchsetzen. Dass Facebooks Glaubwürdigkeit wegen der zahlreichen Datenskandale angeschlagen ist, könnte zum Stolperstein werden.

Facebooks wird also noch Überzeugungsarbeit leisten müssen, um das Vertrauen der Anwender zu gewinnen. Dennoch sagt Christina Kehl: «Ich glaube aber, dass die steigenden Nutzerzahlen bei Facebook immer noch dafür sprechen, dass man einfach ein Viertel der Weltbevölkerung über diese Plattform erreichen kann.» Das könne im Moment kein anderer Anbieter mit seiner Krypto-Währung, so Kehl. «Das wird ein Riesenvorteil für Facebook sein.»

Denn aufgrund der Grösse des Technologie-Unternehmens werden wohl viele Firmen die neue Währung Libra akzeptieren. Fazit: Setzt sich Libra durch, könnte sie eine oder andere digitale Währung aus der Schweiz verdrängen. Insgesamt aber, dürfte der Schweizer Fintech-Standort profitieren.

Libra: Mitte 2020 am Start

  • Facebook will seine Digitalwährung Libra in der ersten Hälfte des kommenden Jahres an den Start bringen und damit in den weltweiten Zahlungsverkehr einsteigen.
  • Von der Cyberwährung, die von Unternehmen wie Mastercard, PayPal und Spotify unterstützt wird, verspricht sich das weltgrösste soziale Netzwerk grosses Wachstum in der E-Commerce-Branche.
  • Mit Libra sollen nicht nur Transaktionen zwischen Firmen und Verbrauchern, die Facebook nutzen, über die Bühne gebracht werden.
  • Die Kryptowährung soll auch Menschen ohne eigenes Bankkonto erstmals Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglichen.
  • Vor allem in Regionen wie Asien und Afrika dürfte das Potenzial von Libra gross sein.