Die kürzlich in Grund- und Trinkwasser aufgefundenen Chlorothalonil-Rückstände stellen laut dem Kanton Bern keine akute Gefahr dar. «Das Trinkwasser kann im Kanton Bern weiterhin bedenkenlos genossen werden», sagt Urs Ackermann, stellvertretender Kantonschemiker.

Nationales Vorgehen mache Sinn

Dennoch wollen die Berner Behörden handeln. Zusammen mit den Wasserversorgern will der Kanton bis Ende Jahr die Situation analysieren und wo nötig Massnahmen definieren. Auch behält sich der Kanton Bern vor, für chlorothalonilhaltige Produkte Anwendungseinschränkungen zu erlassen. Dies für den Fall, dass der Bund diesen Wirkstoff nicht rasch verbieten sollte. Der Bund prüft ein Verbot, wie seit Kurzem bekannt ist.

Ein nationales Vorgehen mache Sinn, da alle Kantone gleichzeitig handeln würden, sagt der stellvertretende Kantonschemiker Urs Ackermann. Wenn ein Kanton Chlorothalonil verbiete und der Nachbarkanton nicht, dann löse dies das Problem nicht. «Durch das Grundwasser kann der Stoff wieder in den Kanton Bern gelangen», so Ackerman.

Werte im Leitungswasser tiefer als im Grundwasser

Chlorothalonil ist ein Wirkstoff, der in der Landwirtschaft seit den 1970er-Jahren als Fungizid eingesetzt wird, insbesondere zum Schutz von Getreide gegen zahlreiche Krankheiten. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit gelten dafür seit Anfang Juli 2019 strenge Höchstwerte. Es handelt sich um eine Vorsorgemassnahme, da nicht erwiesen ist, dass diese Stoffe für Menschen ungefährlich sind.

Der Kanton Bern weist darauf hin, dass Grundwasser nicht gleich Trinkwasser ist. Die verschiedentlich publizierten Höchstwertüberschreitungen bezögen sich oft nur auf die Grundwasserfassungen. Weil Grundwasser bei der Trinkwasseraufbereitung häufig mit Quellwasser oder Seewasser gemischt werde, seien die Werte von Chlorothalonil im Trinkwasser in der Regel tiefer als im Grundwasser.