Die Dimensionen des Formel E-Prix, der Mitte Juni in Bern die Gemüter bewegte, seien rückblickend wohl zu gross gewesen, zu diesem Schluss kommt der Berner Gemeinderat in seiner Bilanz zum Rennanlass.

Kritik war etwa an der Führung der Rennstrecke laut geworden: «Die Idee, das Obstbergquartier zu umfahren, würden wir so nicht mehr zulassen», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried dazu. Dafür habe es an Akzeptanz in der Bevölkerung gefehlt.

«  Die Bauten waren für die Innenstadt zu gross.  »
Alec von Graffenried
Stadtpräsident Bern

Weiter hätten die Bauten für den Festanlass für die Platzverhältnisse in der Innenstadt die falsche Dimension gehabt. Für einen ähnlichen künftigen Grossanlass würde man dies korrigieren. «Man hätte auf eine freie Fläche mit mehr Platz ausweichen müssen», so von Graffenried.

Der Gemeinderat will weitere Lehren aus der Durchführung des Anlasses ziehen: Kurz vor Start des Rennens seien Abmachungen nicht eingehalten worden und es habe sich gezeigt, dass die Stadt Bern stärker hätte selber aktiv werden sollen. Dies etwa bei der Verkehrssignalisation.

Die Renn-Organisatoren wollen die Kritik der Stadt ernst nehmen: «Wir kennen die Kritik und wollen nun den Bericht der Stadt analysieren», sagt Stephan Oehen von der Swiss E-Prix Operations AG. Das Rennen sei hervorragend gewesen und für einen allfällig neuen Austragungsort ausserhalb der Innenstadt sei man offen.

Anlass verlief ohne Zwischenfälle

Der Berner Gemeinderat zieht eine insgesamt positive Bilanz des Anlasses. Es habe mehr Zustimmung als Ablehnung für den Anlass gegeben. «Es war ein richtig gutes Fest. Die Besucher waren begeistert», sagt der Stadtpräsident.

Es sei ein absolut friedlicher Anlass gewesen und dieser sei ohne grössere Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Der Renn-Event habe Familien, Technik- und Rennsportbegeisterte gleichermassen angezogen.

«  Ähnliche Grossanlässe sind in Bern denkbar.  »
Alec von Graffenried
Stadtpräsident Bern

Der Grossanlass habe die Bevölkerung zu Diskussionen angeregt und sie für das Thema Mobilität der Zukunft sensibilisiert. Aus Sicht von Alec von Graffenried ist es denkbar, dass ähnlich grosse Anlässe weiterhin in Bern stattfinden.

Den Bericht zur Auswertung des Formel E-Prix hat die Berner Stadtregierung auf der Internetseite der Stadt Bern veröffentlicht.

Kritiker sind enttäuscht

Kritiker des Anlasses hatten auf einen Sinneswandel bei der Stadtregierung gehofft. «Der Gemeinderat nimmt die Verantwortung nicht auf sich, wir sind enttäuscht», sagt Markus Heinzer, Co-Präsident des Grünen Bündnisses und Mitglied der Vereinigung «Formel E Ade». Er spricht von einem Debakel. Man könne in einer rot-grünen Stadt kein Autorennen auf «gute Art» durchführen.