Seit 2015 pachtet die Kellerei aus Visperterminen Rebparzellen ihrer Genossenschafter, die ihre Reben nicht mehr selbst pflegen wollen oder können. Gesucht habe man dieses Engagement nicht, sagen die Verantwortlichen. Aber am Ende habe es keine Alternativen gegeben: Man wollte den Rebberg vor dem Verfall schützen und die guten Lagen nicht der Konkurrenz überlassen.

«  Wir haben keine andere Lösung mehr gesehen, als Teile der Reben selber zu bearbeiten.  »
Richard Stoffel
Rebmeister St. Jodernkellerei

Bislang bewirtschaften Mitarbeiter der St. Jodernkellerei 2.8 Hektaren Reben, ein kleiner Teil der Gesamtfläche von rund 45 Hektaren. Die Nachfrage nehme jedoch stetig zu, so Rebmeister Richard Stoffel. Das bereitet der Kellerei Sorge: Denn es rechnet sich kaum, die vielen sehr aufwändigen Arbeiten am steilen Rebberg selbst auszuführen.

Mehr Verpflichtung als Freude

Das Problem: Längst nicht mehr alle jungen Einheimischen sind bereit, ihre freien Wochenenden in die geerbten Reben zu investieren. Manche versuchen, sie zu verkaufen. Andere entscheiden sich dafür, einen Teil selbst zu bewirtschaften und den anderen Teil der Kellerei zu verpachten. So wie Carlo Stoffel, der drei Parzellen geerbt hat und zwei davon noch selbst bearbeitet.

«  Ich will einen Beitrag leisten. Aber ich bin nicht verpflichtet, das Erbe zu 100 Prozent zu übernehmen.  »
Carlo Stoffel
Genossenschafter und Hobby-Weinbauer

Stoffel wendet zwischen Frühling und Herbst etwa 12 Halbtage auf, um die geerbten Reben zu bewirtschaften. Er vergleicht die Arbeit mit dem Sporttraining: Manchmal müsse man sich durchbeissen. Aber am Ende lohne sich der Aufwand oft.