News online zu lesen, ist heute selbstverständlich. In den 1990er-Jahren war es das nicht. Das Walliser Lokalradio Radio Rottu Oberwallis (RRO) leistete damals Pionierarbeit. 1996 schalteten sie eine eigene Internetseite auf, mit lokalen Nachrichten und Online-Todesanzeigen. Dies kurz nachdem die New York Times eine eigene Webseite kreierte.

Das frühe Aufspringen auf den Online-Zug zahlt sich aus: Heute gibt es laut eigenen Angaben pro Tag rund 80'000 Klicks auf der Website von RRO. Zum Vergleich: Im Oberwallis wohnen insgesamt etwa 80'000 Personen.

Eine Paywall fürs Radio

Dass man ohne Abo eine Zeitung online nicht mehr lesen kann, ist mittlerweile Standard. Doch bei der Internetseiten von Radiosendern ist das bisher kein verbreitetes Konzept. Radio Rottu Oberwallis wagt es trotzdem, wie Armin Bregy, publizistischer Leiter des Oberwalliser Medienhauses Mengis Media, gegenüber dem Regionaljournal von Radio SRF erzählt.

«Wir werden nächstes Jahr eine Bezahlschranke einführen, weil guter Online-Journalismus einen Wert hat», so Bregy. Durchschnittlich müsse ein Nutzer, der regelmässig RRO oder andere Online-Dienstleistungen des Medienhauses Mengis Media nutzt, künftig mit einer Pauschale von 15 Franken pro Monat rechnen. Geplant sind aber auch individuelle, auf den Benutzer abgestimmte Abos, die günstiger sein können. Gratis soll das Online-Angebot von RRO auch künftig für Abonnenten der Lokalzeitung «Walliser Bote» sein.

Die Website von RRO gibt es seit über 23 Jahren. Jetzt eine Bezahlschranke einzuführen, ist kein einfacher Schritt. Dessen ist sich Armin Bregy bewusst und sagt: «Ohne Geld kann kein guter Journalismus betrieben werden.» Die sinkenden Werbeeinnahmen und Abozahlen seien der Hauptgrund dafür, dass das Online-Angebot künftig kostenpflichtig werde, so Bregy.

Künftig unter einem Dach

Seit rund einem Monat haben mehrere Oberwalliser Lokalmedien ein gemeinsames Zuhause: Radio Rottu Oberwallis, wie auch die Tageszeitung Walliser Bote und die Wochenzeitung Rhone Zeitung sind im selben Gebäude untergebracht.

Der Medienvielfalt schade das nicht, so Armin Bregy. Im Gegenteil: Wenn kleinere Geschichten weniger Ressourcen benötigen, bleiben mehr Ressourcen für die grossen Recherchen.