Vanessa Grand hat als Haustier eine Hündin, sie heisst «Betsy» und kann fast alles. Sie ist keine normale Labrador-Dame, sondern eine ausgebildete Assistenzhündin.

Wegen der Glasknochenkrankheit sitzt Vanessa Grand seit Kindertagen im Rollstuhl – ihr Körper ist zerbrechlich. Sie hat bereits unzählige Knochenbrüche erlitten. Ohne ihre Hündin wäre der Alltag kaum zu bewältigen.

Was Betsy alles kann

Die dunkelbraune Hündin ist seit 12 Jahren ihre Assistenzhündin. Wenn der Besitzerin etwas auf den Boden fällt, kommt Betsy und hebt es auf. Sie öffnet Türen. Sie hilft, die Jacke auszuziehen. «Klar ist Betsy eine Hilfe, aber sie ist vor allem auch eine Freundin», so die Besitzerin.

«  Ich kann mir das Leben ohne Hund nicht mehr vorstellen.  »
Vanessa Grand
besitzt eine Assistenzhündin

Ausgebildet wurde das Tier im Kanton Wallis vom gemeinnützigen Verein Le Copain. Die Direktorin des Vereins, Christelle Rard, betont: «Bei uns steht der Mensch im Zentrum.» Die Tiere würden individuell auf die Bedürfnisse künftigen Besitzerinnen und Besitzer hin trainiert.

Im Alter von zwei Monaten kommen die Welpen zu einer Gastfamilie. Die Familien werden von einem Hundetrainer bei der Grundausbildung betreut. Etwa 15 Monate bleibt das Tier bei der Gastfamilie, bevor er in das Ausbildungszentrum in Granges kommt.

Silvia Graber/SRF

Dort werden sie intensiv und professionell ausgebildet, bevor sie nach einem halben Jahr kostenlos übergeben werden an jemanden, der oder die Hilfe braucht im Alltag. Die Ausbildung eines Hundes kostet etwa 35'000 Franken.

Welcher Hund ist geeignet?

Am besten weiss dies Melanie Vuillerat. Sie ist verantwortlich für das Hundetraining in Granges. «Gute Gene sind wichtig», sagt sie. Das heisst: Die Tiere müssen gesund und ruhig sein, einen starken Charakter haben und menschenbezogen sein. Alle Hunde stammten von Züchterinnen und Züchtern aus dem In- und Ausland. «Wir besuchen die Tiere mehrmals.»

Melanie Vuillerat ist die Leiterin Hundetraining im Zentrum von «Le Copain» in Granges. SRF

In der Ausbildung gehe es zuerst darum, neue universelle Signale zu lernen, wie zum Beispiel, wie man im Lift einen Knopf drückt. Sobald klar ist, wem der Hund nach der Ausbildung übergeben wird, werde der Hund noch spezifisch auf diese Bedürfnisse trainiert.

Le Copain

Das oberste Ziel von Le Copain ist es, mithilfe von Assistenzhunden Menschen mit Behinderung das Leben zu erleichtern. Die Hunde werden speziell für Menschen ausgebildet mit eingeschränkter Mobilität, neurologischen Erkrankungen, Epileptiker, Diabetikerinnen oder für Personen welche in sozialen oder gesundheitlichen Institutionen arbeiten.

Seit der Gründung 1993 wurden 354 Hunde in der Schweiz an Menschen mit einer Behinderung übergeben. Le Copain wird zu 90 Prozent durch Spenden finanziert.