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Literatur im Gespräch: Familiensache

«Brüste und Eier»: der etwas provokative Titel des Romans der japanischen Autorin Mieko Kawakami täuscht. Es geht nicht um Sex. Es geht um Familie und Herkunft. Was macht Armut mit einem? Kann man seinem Milieu entrinnen? Und wie sinnvoll ist es eigentlich, Kinder zu haben?

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Mieko Kawakami ist in Japan ein Star. Ein unbequemer. Sie blickt hinter die glänzende Fassade Japans. Nicht alle haben Teil am Wohlstand. Viele Menschen leben unter prekären Verhältnissen. Sie schaut dahin, wo Armut herrscht. Wenn die Wohnverhältnisse beengend sind, der Vater säuft und prügelt, die Mutter devot den Kopf senkt. Was macht das mit den Töchtern? Wie prägt das ihr Familienbild, ihre Beziehung und ihren eigenen Kinderwunsch. Ist eine sogenannt «normale» Familie überhaupt noch ein Vorbild. Solche Fragen stellt Mieko Kawakami und hält der japanischen Gesellschaft punkto Geschlechterrollen gnadenlos den Spiegel vor.

Die Familie mit ihren Konflikten und Kämpfen, das ist auch Thema in den beiden anderen Büchern der Sendung: Ben Lerner mit seinem neuen Roman «Die Topeka Schule» und Nell Zink mit «Das Hohe Lied». Beides zeitgenössische Familienromane, die um die Jahrtausendwende angesiedelt sind. Zwei so scharfsinnige wie schonungslose Gesellschaftsportraits, die den Finger auf wunde Punkt legen und am Beispiel von Familien zeigen, wo die heutige Gesellschaft steht und wie sie dahin gekommen ist.

Literatur im Gespräch mit: Literaturkritikerin Andrea Köhler, Literaturprofessor Philipp Theisohn und SRF Literaturredaktorin Esther Schneider.

Buchhinweise:
- Ben Lerner. Die Topeka Schule. Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Suhrkamp, 2020.
- Nell Zink. Das Hohe Lied. Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler. Rowohlt, 2020.
- Mieko Kawakami. Brüste und Eier. Aus dem Japanischen von Katja Busson. DuMont, 2020.


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