Mehr als Luft und Liebe: Open Airs sind ein knallhartes Business

An Festivals geht es um Millionen. Für den Veranstalter, wie auch für Sponsoren.

Die gute Laune der vielen Besucher kommt Grosskonzernen gelegen.

Bildlegende: Partystimmung Die gute Laune der vielen Besucher kommt Grosskonzernen gelegen. Keystone

Das Budget eines grossen Schweizer Open Airs beträgt zwischen 7 und 10 Millionen Franken. Es geht also um viel Geld. Und nicht immer schreiben die Festivals am Schluss schwarze Zahlen. Auch beim OpenAir St. Gallen ging die Rechnung in den vergangenen Jahren einmal nicht auf.

Es brauche sehr wenig, um ins Minus zu kippen, heisst es von den Veranstaltern. Schon bei 1000 weniger verkauften Tickets als geplant könne dies der Fall sein. Dazu kommt, dass die Kosten ständig steigen: Die Besucher fordern warme Duschen, die Lichtshow wird immer spektakulärer und auch die Sicherheit kostet immer mehr.

Hunderttausende Euro Gage

Und natürlich möchten die Künstler ihren Teil vom Kuchen. «Dass eine Hauptband mehrere hunderttausend Euro verlangt, ist heute gang und gäbe», sagt Christoph Huber, Chef des OpenAirs St. Gallen. Sein Festival habe ein Gagenbudget von rund 2,2 Millionen Franken.

Sänger Caleb Followill und seine Band Kings of Leon.

Bildlegende: Top-Act am diesjährigen OpenAir St. Gallen Sänger Caleb Followill und seine Band Kings of Leon. Keystone

Zwischen 10 und 20 Prozent der Einnahmen eines Festivals stammen von Sponsoren. In St. Gallen gehören dazu grosse Firmen wie Migros und Swisscom. Über die Beträge, welche die Grossunternehmen investieren – aber auch einnehmen – schweigen sich sowohl die Sponsoren, als auch das Openair St. Gallen aus.

Gewinn steht im Hintergrund

Das grosse Geld - das stellen die oben genannten Sponsoren klar - wird aber an den vier Festival-Tagen nicht gemacht. Es ist nicht die Aussicht auf einen finanziellen Gewinn, der die Sponsoren lockt, sondern die Möglichkeit, effizient zu werben. Swisscom-Sprecherin Annina Merk:

«  Es geht vor allem darum, die Jugendlichen zu erreichen. An einem Festival sind alle in guter Stimmung und wenn es dann gelingt, dieser Zielgruppe ein positives Erlebnis zu bieten, ist das für unsere Marke ein langfristiger Gewinn. »

Das Openair St.Gallen wird täglich von rund 30 000 Menschen besucht.

Migros setzt auf witzige Aktionen

Auch für die Migros ist klar, dass sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen will. Urs Engler vom Migros Genossenschaftsbund sagt: «Einfach ein Produkt mit einer Werbebotschaft zu verteilen, kommt nicht gut an. Wir machen deshalb nur noch Aktionen, die den Besuchern einen Nutzen bringen oder witzig sind.»

Seit der letzten Openair-Saison setzt die Migros deshalb auf «M-Budget-Helfer». Openair-Besucher können diese für unliebsame Aufgaben buchen. Für Mini-Franken-Beträge schleppen sie Gepäck, bauen ein Zelt auf - und für 10 Rappen gibt es eine Umarmung.

«Schön ist natürlich, wenn sich daraus Bekannschaften ergeben», sagt Urs Engler.

Wer hat's erfunden?

Nicht die Schweizer. Doch das Gurtenfestival und das OpenAir St. Gallen starteten 1977 - bloss zehn Jahre nach dem Monterey Pop Festival in Kalifornien, dem ersten mehrtägigen grossen Open Air. Auch das Paléo Festival in Nyon fand 1977 (ein Jahr nach dem Debüt) zum ersten Mal draussen statt.