Zum Inhalt springen

Header

Audio
Neue Studie: Sexuelle Belästigung auf Schweizer Bühnen
Aus Kultur-Aktualität vom 13.11.2020.
abspielen. Laufzeit 03:49 Minuten.
Inhalt

Belästigung am Theater Bühnenexpertin: «Nicht nur Vorgesetzte sind potenzielle Täter»

Erschreckende Zahlen: Vier von fünf Schauspielerinnen oder Tänzern in der Schweiz haben bei der Arbeit sexuelle Übergriffe erlebt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Schweizerischen Bühnenkünstlerverband (SBKV), Link öffnet in einem neuen Fenster. Wie lassen sich diese Zustände ändern? SBKV-Generalsekretärin Salva Leutenegger über Problemzonen und Pläne.

Salva Leutenegger

Salva Leutenegger

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Salva Leutenegger ist Geschäftsführerin des Schweizerischen Bühnenkünstlerverbands (SBKV).

SRF: Was genau ist in der Umfrage mit sexuellem Übergriff gemeint?

Salva Leutenegger: Wir meinen damit nicht nur die körperlichen Übergriffe, sondern auch sexualisierten Machtmissbrauch. Ein Missbrauch kann auch eine schriftliche bildliche Belästigung sein, per E-Mail oder mit Handybildern, eine nonverbale Belästigung oder eben die direkte verbale Belästigung.

In Theatern wird intensiv mit dem Körper gearbeitet. Ist denn immer eindeutig, was eine Grenzüberschreitung ist?

Das sind oft schwierige Abgrenzungen. Aber es ist immer dort schwierig, wo die Sensibilität fehlt. Diese Sensibilität müssen alle haben. Vor allem die Vorgesetzten, die Regisseure, die Choreographen.

Was eine Belästigung ist, ist zwar nicht immer klar. Sie passiert aber immer dort, wo sich die Leute nicht wohlfühlen.

Gibt es ein bestimmtes Arbeitsklima, das dazu beiträgt, diese Grenzen verwischen zu lassen?

Uns hat die Feststellung überrascht: Nicht nur Vorgesetzte sind potentielle Täterinnen und Täter, sondern auch Arbeitskollegen und Kolleginnen. Mit fast 39 Prozent ist das ein grosser Anteil.

Ich glaube auch, dass das Klima eine Rolle spielt. Weil es dazu einladen kann, Sprüche zu klopfen oder einen despektierlichen Umgang zu pflegen. Es kann schon sein, dass in der Kunst die Grenzen leichter überschritten werden, weil man locker ist und eng miteinander arbeitet.

Es kann schon sein, dass in der Kunst die Grenzen leichter überschritten werden.

Viele Betroffene setzen sich nicht zur Wehr. Sie fürchten, in der kleinen Schweizer Szene als schwierig zu gelten und dann keine Jobs mehr zu bekommen. Wie kann man Ihnen helfen, sich trotzdem zu äussern?

Indem sie sich Leute suchen, die vertrauenswürdig sind. Da stehen wir als Berufsverband zur Verfügung. Es gibt mittlerweile auch grosse Häuser, die Anlaufstellen haben. An die kann man sich wenden, wenn man das Vertrauen aufbringt.

In der freien Szene kennt man solche Anlaufstellen aber nicht. Da muss man sich ausserhalb der Szene jemandem anvertrauen oder sich beraten lassen, wie man vorgehen kann. Da muss man oft vorsichtig sein, weil die Gefahr tatsächlich gross ist, keinen Job mehr zu kriegen.

Der SBKV hat jetzt eine Plattform online geschaltet, wo man sich auch anonym melden kann. Welche Massnahmen möchten Sie sonst ergreifen?

Wir wollen die Künstlerinnen und Künstler stärken. Wir wollen Workshops für das nächste Jahr planen. Und wir wollen die Arbeitgeber in die Verantwortung nehmen. Sie müssen für ein entsprechendes Klima sorgen. Sie müssen viel aufmerksamer sein.

Ansetzen müssen wir aber auch in der Ausbildung. Viele Junge haben das Gefühl, sie müssten alles tun. Sie müssen aber vor allem lernen, etwas zu sagen, wenn sie nicht wohl fühlen, wenn ihnen eine Szene zu weit geht oder wenn es für sie nicht stimmt.

Das Gespräch führte Irene Grüter.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 13.11.2020, 17:20 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Ich bin in der gluecklichen Situation "angemacht zu werden... von jungen aber auch aelteren Frauen.. und zwar recht eindeutig, und nicht nur Schwarze, auch Weisse..und das obwohl ich echt alt bin! Aber eben anderes Land andere Sitten...
    Und wenn ich mal einer Unbekannten sage, whou du siehst aber gut aus, bekomme ich ein warmes Dankeschoen mit Laecheln.. in der Schweiz taete ich mich gar nicht getrauen..
    Leute ihr seid echt verklemmt..!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Auch wenn ich jetzt wieder anecke.. das Leben ist puure Sexualitaet... Aber heute wird alles schlecht gemacht.. auch die "Anmache"... ja da gibt es plumpe, raffinierte und einfuehlige "Anmacher... aber der Mensch tut, und zwar nicht der Mann alleine.. Die Frauen tuns auch, genau so raffiniert bis Plump wie die Maenner. Warum putzen sich Manner und Fraun raus, wie Voegel im Fruehling, nur halt das ganze Jahr, und meist unbequem aber stylish gekleidet.. warum wohl...?
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Martin Vischer  (Martin Vischer)
    Als ich ein Kind war, wurde vom Baugerüst gepfiffen und „Ciao Bella“ gerufen. Das war als Kompliment gedacht und auch so verstanden. Heute wird uns weisgemacht, dass wir das als „unangemessen“, als „Grenzüberschreitung“, als „übergriffig“ zu werten haben.
    Ich hör schon gar nicht mehr zu.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Patrick Dörrer  (P.D)
      Früher war es "einfacher" weil die Rollen-Verhaltensregeln einheitlicher bzw. noch nicht so diffenrenziert ausgefallen waren wie heute.
      Das machts natürlich komplizierter und zuoft verhindert dies nun eine spontane Gefühlsäusserung, was wiederum zu Missverständnissen führen kann usw. Glück für alle Erwachsenen, die sich noch spontan geben und begegnen können.
    2. Antwort von Rudolf Räber  (Eins)
      Ciao Bella zu einem Martin, hat wohl kaum jemand gerufen. Kann schon sein, dass so ähnliches gerufen wurde, doch da wäre es interessater von Mädchen zu hören, wie sie sich dabei gefühlt haben.